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Wollen die Menschen Großes und Dauerhaftes schaffenso können sie nicht umhin, daö Verfahren ihrer Mutter nach.zuahmen. Jene Wunderwerke OberegyptenS z. B., welcheseit nahe vier Jahrtausenden in »«verwelkter Herrlichkeitdastehen und die ohne Zweifel auch noch für die spätesteNachwelt Gegenstand des Erstaunens und der Bewunderungsein werden; jene geheimnißvollen Tempel Thebens, die soriesenhaft, prachtvoll und unnachahmlich sind, daß sie unswie Schöpfungen höherer Wesen erscheinen, sie sind sicherlichnicht das Werk einer Gesellschaft, die nach amerikanischenGrundsätzen gebildet war. Hunderttausende, vielleicht Mil-lionen von Menschen mußten sich von Einzelnen als blindeWerkzeuge gebrauchen lassen und ihr ganzes Leben in saurerMühe verbringen, nur um die gigantischen und erhabenenIdeen weniger Männer ins Leben zu rufen.
Auch was Rom groß machte und Griechenland die Un-sterblichkeit gab, ging von Einzelnen aus und mußte aufKosten der Menge ausgeführt werden.
So verhält es sich auch im Kleinen mit der Begründungvon Familien. Soll eine solche auf längere Zeit blühen undDauer haben, soll sie gegen dk Wechselfälle des Glücksmöglichst sicher gestellt werden, so können wir einen derar-tigen Zweck wohl kaum anders erreichen, als daß wir einemGliede derselben Vorrechte einräumen und den Rest mehroder weniger beeinträchtigen.
Dem demokratischen Geiste unserer Zeit, welcher unterdem Vorgeben, nur allgemeine Zwecke fördern zu wollen,nur zu häufig den entschiedensten Individualismus begün-stigt, kann allerdings keine Art von Bevorzugungssystembilligen, wie sehr ein solches auch in der Natur der Dinge