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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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348
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die Idee deü strebsamen Ministers verwirklicht war. Jeder-mann weiß, um bei diesem Anlaß auch einige Worte überdas französische Institut zu sagen, daß letzteres währendseines Bestandes eine nicht unbedeutende Wirksamkeit gezeigtund der Wissenschaft große Dienste geleistet hat. Diese Aca-demie brachte aber auch bald dahin, sich alle Wissenschaft-liehen Bestrebungen Frankreichs unterzuordnen, dieselben zulenken; sie bildete sich mit andern Worten rasch zu einemgelehrt-aristokratischen Areopag aus, der die höchste GerichtS-barkeit in wissenschaftlichen und literarischen Dingen sichbeilegte und in letzter Instanz über den Werth der Lei-stungen jedes auch noch so ausgezeichneten Forschers zu ent-scheiden sich herausnahm und herausnehmen durfte. IhrAnsehen erstreckte sich selbst über die Grenzen des eigenenLandes hinaus und eS galt namentlich auch in Deutschlandfür die höchste Ehre und Auszeichnung, von der französischenAkademie Beifall und Lob zu erhalten. Bis zu den neuestenZeiten herauf und trotz des alle Verhältnisse durchdringendendemokratischen Geistes unseres Jahrhunderts hat das frag-liehe Institut seine frühere aristokratische Macht und Einflußsich so gut zu erhalten gewußt, daß noch heutigen Tages inFrankreich die glänzendsten Leistungen, die wichtigsten Ent-dcckungen, die herrlichsten Schöpfungen des einheimischenGenies wenig oder keine Geltung haben, wenn denselbennicht der Stempel der Akademie aufgedrückt ist, wenn sienicht die hohe Sanction der Pariser Weisen erhalten haben.

AuS diesem Ansehen möchte auch zu erklären sein,daß die Mehrzahl französischer Gelehrten kein höheres Zielkennt, als die Aufnahme in die Akademie und daß das Be-streben, dasselbe zu erreichen, in Frankreich viel häufiger