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Berufe und ihrer Umgebung steht. — Zur Zeit der KöniginElisabeth wurde für die Kathedralsänger der Westminstcrabteieine Stiftung gegründet, die Jedem derselben ein jährlichesEinkommen von zehn Pfunden gewährte und die Verpflich-tung auferlegte, alle vierzehn Tage wenigstens einmal den»Service« in der Abtei mitzusingen. Man nennt, glaubeich, die erwachsenen Sänger Kanoniker und eS gibt derenzweierlei Arten; Laienkanoniker und solche, welche demgeistlichen Stande angehören.
Erstere sind in der Regel ausgezeichnete Musiklehrer oderKünstler und haben natürlich bei dieser gotteödienstlichenVerrichtung die Hauptsache zu thun, erhalten aber heutigenTages keinen größer« Gehalt, alü der war, welcher zurZeit Elisabeths bezahlt wurde; während die geistlichenCanoniei im Laufe der letzten Jahrhunderte ihre Einkünftezu vermehren und von zehn bis auf daö hübsche rundeSümmchen von neun hundert Pfunden zu steigern wußten.Wie man sich leicht denken kann, sehen die Laien nicht rechtein, warum ihre geistlichen Herren Kollegen für ihre gerin-gern Leistungen neunzig Male stärker besoldet sein sollen,als sie selbst und zweifeln stark an der Billigkeit dieses großenUnterschiedes.
Mit einem Laienkanoniker bekannt und von demselbenfür die ganze Dauer meines Aufenthaltes in London einge-laden: dem «Service« der Abtei beizuwohnen, begab ichmich, wie oben schon bemerkt, regelmäßig am SonntageNachmittag um drei Uhr, wo das Singen bkginnt, in diegenannte Kathedrale, nahm meinen Platz in einem der»Stalls« neben den Kanonikern ein und hörte dem einfachenund ergreifenden Kirchengesang, welcher häufig durch die