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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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Einsteige» den deinen Sitz des Coupe;och zu finden. MitMühe »nd Noth zwang ich mich in ein Eckchen ein, in demich aber, wie man sich leicht denken kann/ recht saure Stun-den zu verbringen hatte.

Die beiden wohlbeleibten Damen waren wahre Mustervon Schweigsamkeit und stillem Wesen; denn von Lüttichan bis Aachen wußten sie weder sich selbst einander Etwaszu sagen/ noch irgend ein Wort mit ihren, schwer bedräng-ten Nachbar zu rede»/ der trotz seiner peinlichen Lage esan Versuche»/ ein Gespräch mit ihnen anzuknüpfen/ nichtfehlen ließ. Sonst sind die Frauen eben nicht durch eineübergroße Schweigsamkeit ausgezeichnet und selbst solcheunter ihnen/ die wenig Vernünftiges zu reden wisse»/ machendoch gerne von ihrer Zunge Gebrauch. Meine Reisegefähr-tinnen bildeten eine so außerordentliche Ausnahme von derRegel/ daß sie mir hicdnrch biö auf einen gewissen Gradmerkwürdig wurden; dieß war aber freilich auch die einziginteressante Seite/ welche ich denselben abzugewinnen wußte.

Bekamlich fehlt eS Belgien an Bettlern nicht und gibtes deren eine große Zahl in den Dörfern / die zwischen Lüttichund Aachen liegen. Ganze Heerdcn von Mädchen und Kna-ben laufen bisweilen halbe Stunden weit »eben beiden Sei-ten dcö Wagens her und schreien den Reisenden die Ohrenvoll. Gibt man nun dem zudringlichen Gcsindel Nichts/ sobricht dasselbe endlich/ nachdem eS alle möglichen Gebeteherausgeplappert hat/ in Schimpfen und Flüche» oder inein lautcS Hohngelächtcr aus. ES wäre eine wahre Sünde/solchem Volke etwas zu geben und in der That hatte» dieunverschämten Gesellen sich meiner Freigebigkeit auch nurwenig zu rühmen.

Acisc > 1 , §n»>.

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