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Spazier, Jean Paul Richter.
ihm Ersatz für alle bisherigen geistigen Entbehrungen zu geben ver-sprach. Es war dieß die polnische Fürstin LunowSky, und siebildet gleichsam daS erste Glied der großen Kette von Damen ausden höheren Ständen, die sich, seit dieser Epoche, um das Leben unseresDichters geschlungen hat. Sie erschien seiner leicht auflodernden Phan-tasie „wie eine Göttin in einer großen Wolke, die an durchsichtigen,luftfarbenen Schnüren in sein LedenStheater hineinhing." — Spätermuß er dieses neue und ihm anfangs so erhaben vorkommende Ver-hältniß mit ganz andern Augen angesehen haben, da er in einemBriefe an seinen Freund darüber sich so äußert: „Der Nutzen, miteiner Fürstin umzugehen, ist der, daß man dadurch den Muth erhält,mit ihren Kammer/ungfern nähere Bekanntschaft zu machen."
Allmählich fühlte er daS Drückende und seiner fetzigen Stellungin der Gesellschaft immer weniger Angemessene seiner beschränkten Lagein Hof immer deutlicher, und suchte dieselbe um jeden Preis loö zuwerden. Diese Beschränktheit hing ihm eben so sehr an, wie ein an-derer Alp, der ihn schon so viele Jahre drückte — die Satyre näm-lich, die er zwar nicht mehr ausschließend als solche in seine letzter»Werke aufnahm, die sich aber, gleichsam als eine Erbsünde, die ernicht ganz loS werden konnte, immer wieder, gegen seinen eigenenbesten Willen, in alles, waS er schrieb, hineinzustehlen wußte. Daseine letzten Schriften bereits sehr ernster Art waren — so erschienenjene Stellen, wo der Satyr seine Krallen zeigte, als dem Ganzenfremde Flecken, als eben so viele Fehler, durch die er nur zu oft denguten Eindruck des klebrigen schwächte und neutralisirte. Seine Freundehatten ihm dieß oft genug gesagt, aber er konnte lange nicht von die-ser Unart lassen. „Du weißt," schrieb er einem derselben zurück,„daß Addison von einem Menschen erzählt, der, wie Jupiter, eineZiege zur Amme gehabt, und der deßhalb noch in seinen reiferen Jah-ren in seiner Stube, wenn Niemand bei ihm war, einige Ziegen-sprünge machen mußte, um seiner Natur ein Opfer zu bringen. Auchauf ihn habe sich eine Art von l^ockfnß statt eines Podagras vererbt,und er könne daher nicht umhin, er müsse sich zuweilen mit einemBockssprung helfen." — Doch ging er späterhin ernsthafter mit sichzu Rathe und suchte dem Unwesen ein Ende zu machen. — Absicht-lich ließ er, wie er sagt, diesen Bock noch einmal im „Siebenkäs"ganz austoben, um ihn dann für immer zu verabschieden. Sodannmachte er sich an seinen „Titan," und begann damit die zweite, höherePeriode seines schriftstellerischen Lebens.