Band 
Zweiter Band.
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Petzholdt's Geologie.

als die Thatsache einiger weniger Völkerschaften, das heißt bloß dasAndenken an diejenigen Ereignisse erhalten, die sich bei einem nur sehrkleinen Theile deS Menschengeschlechtes zugetragen haben. Das ganzeUcbrige dieses Geschlechtes ist nichts für uns und nichts für alle Folge-zeit. Alle übrigen Nationen, welche die Erde in verschiedenen Epo-chen bewohnten, sind hcrausgestiegen aus dem Abgrunde der Zeiten, umgleich einem Schattenspiele an der Wand vorüber zu ziehen und wie-der in das Meer der Vergessenheit zurückzusinken, ohne auch nur ihreNamen oder sonst irgend eine Spur ihres Daseyns unter unS zurück-zulassen. Und möchte eS doch dem Himmel gefallen haben, auch dieNamen jener sogenannten Helden und Weltenstürmer, deren blutbe-triefte Verbrechen unsere Geschichte beinahe allein noch preiset, indieselbe Nacht der Vergessenheit zu begraben, auS der sie besser, fürsie selbst, wie für unö, gar nicht hervorgegangen wären.

Darin aber unterscheidet sich die Geschichte der Menschen vonder der Erde, daß jene sich nur auf eine sehr kurze Zeit vor uns,und nur auf einige wenige Stellen beschränkt, bewohnt von Völkern,die für die Erhaltung ihres Andenkens noch einige Sorge getragenhaben; während im Gegentheile die Geschichte der Erde oder die Geo-logie alle Zeiten und alle Räume gleichmäßig umfaßt, und keine an-deren Gränzen, als die der Erde selbst anerkennt.

Die Erde ist, wie die ganze Natur, gleich geboren mit der Ma-terie; sie ist, für uns wenigstens, ebenbürtig mit dem Raume undder Zeit selbst, und ihre Geschichte ist die aller Substanzen, die sieenthält, aller ihrer Orte und aller ihrer Zeiten. Zwar scheint es ausden ersten Blick, daß die großen Werke der Natur sich weder abnützennoch ändern. In allen ihren Erzeugnissen, selbst in den gebrechlichstenund am schnellsten vorübergehenden, zeigt sich immer und beständigdieselbe, da stets nur ihre früheren Modelle, obschon unter anderenGestalten und Modifikationen, vor unseren Augen wieder erscheinen.Allein näher betrachtet, sieht man bald, daß ihr Gang keineswegsimmerwährend und durchaus derselbe bleibt. Sie läßt oft sehr fühl-bare Veränderungen zu; sie erlaubt sich zuweilen ganz neue Zusam-mensetzungen; sie wechselt öfter nicht bloß die Form, sondern selbstdie Materie ihrer Körper, und so beständig sie in ihrem Ganzenerscheint, so veränderlich ist sie zugleich in ihren Theilen. Werimmer sie nach ihrer ganzen Ausdehnung umfaßt, kann nicht weiterzweifeln, daß sie heute gar sehr verschieden ist von dem, was sie imAnfange gewesen, und was sie in den verschiedenen Perioden ihres