Band 
Zweiter Band.
Seite
9
JPEG-Download
 

9

^Pehholdt'S Geologie.

Daseyns allmälig geworden ist. Die Erde ist in der Folge der Zei-ten sehr verschiedene Zustände durchgegangen, wie selbst der über ihrausgespannte Himmel ebenfalls Veränderungen erlitten hat, und wieüberhaupt alle Dinge in der materiellen und moralischen Welt inimmerwährender Bewegung, in stets auf einander folgender Verände-rung begriffen sind.

So ist z. B. der gegenwärtige Zustand der Erde eben so sehrdas Werk jener immer thätigen, immer schaffenden Natur, als er zu-gleich das Werk unserer eigenen Hände ist. Der Mensch ist endlichdahin gekommen, vie Erde sich dienstbar zu machen; er hat sie seinenBedürfnissen, seinen Wünschen gemäß umgestaltet, und schon aus die-sem Grunde ist ihre gegenwärtige Oberfläche sehr verschieden von der-jenigen, die sie vor der Zeit der Erfindung unserer Künste gewesenseyn mag. DaS goldene Zeitalter der Moral, oder vielmehr derMythe,.war eigentlich daS eiserne Zeitalter unserer Physik und unse-rer Erkenntniß überhaupt. Der Mensch aus jenen Tagen gehörtenoch zur Hälfte dem wilden Zustande an; er lebte in kleinen Gesell-schaften zerstreut auf der weiten Erde; er kannte weder die innereKraft noch den äußeren Reichthum, den die Natur zu seinen Füßengelegt hatte; das Licht des Geistes war noch nicht in ihm aufgegangen;ihm war noch unbekannt, was alles der vereinte Wille Mehrerer zu einemgemeinschaftlichen Zwecke vermag, und er dachte noch nicht daran, daßer durch Verbindung mit seines Gleichen und durch fortgesetzte, ge-meinsame Arbeit dahin kommen könne, alle ihm entgegenstehende Hinder-nisse zu überwinden, und der Erde selbst das Gepräge seines Willensals Gesetz aufzudringen.

Auch muß man, wenn man die früheren Zustände unserer Erdekennen lernen will, sie in den erst kürzlich eütdcckten, in den bishernoch ganz unbewohnten Gegenden aufsuchen. Und selbst dieser alteZustand wird noch sehr neu zu nennen seyn, demjenigen gegenüber,wo alles Festland der Erde noch tief unter dem Wasser stand, wo dieFische unsere Ebenen bewohnten, und die Gipfel unserer Berge denBoden deö Meereö gebildet haben. Oder wollen wir noch weiterzurückgehen, bis zu der Zeit, wo noch kein Wasser auf der von demCentralfeuer ganz durchglühten Erde war, und wo unsere Meere allenoch in Dunstgestalt in der Atmosphäre hingen? — Welche Verän-derungen, welche Umwälzungen mußte unsere Erde erleiden seit diesemihrer frühen Zeitalter (das aber noch keineswegs ihr erstes gewesenist) bis zu dem Anfange unserer eigentlich sogenannten geschichtlichen