Band 
Zweiter Band.
Seite
20
JPEG-Download
 

20

Petzholdt'S Geologie.

wurden? Auf diese und ähnliche Fragen hatte er, so oft er gedrängtwurde, wenigstens die Antworten bereit, daß jene ganze Überschwem-mung ein Wunder war, und sonach einer weiteren Erklärung wederfähig, noch auch bedürftig sey; daß in Folge cineö ähnlichen Wun-ders zur Zeit jener Sündfluth, auch die Kraft der Schwere in denKörpern der Erde und die Kraft des Zusammenhanges zwischen den/ Theilen dieser Körper für einige Zeit aufgehoben seyn mußte, undwas dergleichen Widerlegungen mehr sind, bei denen wir uns aberhier nicht länger aufhalten wollen.

Der berühmte Leibnitz hat sich in seiner llrotvAuea (4etu eru-üitor. llipsiens. 1683. S. 40) ebenfalls an der Auflösung diesesProblems versucht. Nach ihm sind alle Planeten und Kometen, dieErde nicht ausgenommen, in der Vorzeit eben so viele Sonnen odergleich unserer Sonne selbstleuchtende Körper gewesen, die aber, alssie älter wurden, und -alle verbrennbarcn Materialien ihrer Oberflächeaufgezehrt hatten, ihr Licht verloren haben, und nun dunkle Körpergeworden sind. Während nun die anderen Geologen die heutige Bil-dung der Erde, wie wir gesehen haben, vorzüglich der Wirkung desWassers zuschreiben, und das Feuer, wie Whiston mit seinem bren-nenden Kometen, nur zu einer endlichen Zerstörung derselben in derFolgezeit verwenden, kehrt Leibnitz die Sache um, und läßt zuerstdas Feuer auf der Erde vorherrschen. Durch dieses Feuer, sagt er,hat die Erde eine gleichsam glasartige Rinde, wie denn auch dasGlas die Basis von beinahe allen den Materialien seyn soll, auswelchen die Oberfläche der Erde besteht, so daß z. B. unser Sandnur die zerbrochenen Fragmente jener Glaskruste vorstellt, und daßdie übrigen Erdarten bloß aus der Mischung dieses Sandes mitWasser und mit siren Salzen entstanden seyn sollen. Als diese GlaS-rinde allmälich verkühlte, stiegen die wässerigen Theile der Erde, diesich früher in Folge der großen Hitze als Dämpfe in die Höhe er-hoben hatten, wieder zur Erde herab, wo sie nun die Meere dersel-ben bilden.

Auch bei dieser Hypothese wollen wir nicht länger verweilen, dasie von einer Voraussetzung (der früheren Sonnennatur der Erde)ausgeht, die eben so wenig wahrscheinlich ist, als die von Whiston,nach welcher die Erde ursprünglich ein Komet gewesen seyn soll.Ueberhaupt gehen alle diese sogenannten Geogonien viel zu weit, ausden eigentlichen Ursprung der Erde, d. h. auf eine Zeit zurück, vonder wir bisher gar nichts wissen, und wahrscheinlich auch nie etwas