Quetelet, über den Menschen.
525
ihm selbst, von seinem Organismus und den in ihm in beständigerThätigkeit wirkenden Kräften, zum Theil von den Einflüssen der Außen-welt, wenn auch nicht unmittelbar gegeben, doch bedingt und modi-sicirt werden, und die daher eben so, wie jene Phänomene der Außen-welt selbst, bestimmten Gesetzen unterworfen, und eben dadurch einGegenstand der Berechnung geworden sind. Wenn wir aber in Be-ziehung auf diese für uns so äußerst wichtigen Untersuchungen fetztnoch so weit zurück sind, so ist cS nicht sowohl die Schwierigkeit die-ses neuen CalculS selbst, als vielmehr der Mangel an geeignetenBeobachtungen, die diesem Calcul zum Grunde gelegt werden müssen.Wir haben bisher diesem Gegenstände unsere Aufmerksamkeit gänzlichentzogen, weil wir ihn außer dem Bereiche unserer Erkenntniß an-genommen haben, oder wir haben ihn, waö nahe dasselbe ist, in daSGebiet der Philosophie verwiesen, ohne zu bedenken, daß er aucheine rein mathematische Seite hat, und daß man ihm, wie beinaheallen anderen, nur von dieser letzten Seite wahrhaft näher zu kom-men hoffen darf. Ohne Zweifel mögen die wahren Ursachen vondenjenigen Erscheinungen, die hier gemeint sind, noch viel verborgenerund ihre Wirkungen noch viel verwickelter seyn, als es mit den Er-scheinungen der materiellen Welt, die wir bisher allein auf dieseWeise kennen zu lernen gesucht haben, der Fall ist. Allein dieS solluns, wie schon daü oben angeführte Beispiel zeigt, nicht entmuthigen,dem bisher vielleicht nur scheinbar so tief verhüllten Gegenstände näherzu treten; dies soll uns vielmehr nur eine neue Aufforderung seyn,ihn desto eifriger und aufmerksamer zu beobachten. Die Beobach-tungen der Natur sind eS, durch die wir allein zur Erkenntniß der-selben gelangen können, und sie müssen daher vor allen anderen vor-ausgehen. Allein wo sind diese Beobachtungen, wo findet man dieseErfahrungen in gehöriger Anzahl und Verläßlichkeit gesammelt, aufdenen man, als auf einer sicheren Basis, jene geistige Physiologie deöMenschen, des Einzelnen sowohl, als auch ganzer großer Gesellschaf-ten derselben, erbauen könnte? Hätte man z. B. in jedem Zweigeder inneren Einrichtung der Familien, oder auch der öffentlichen Ver-waltung ganzer Staaten, seit Jahrhunderten die neu eingeführtenExperimente und ihre glücklichen und unglücklichen Folgen genau auf-gezeichnet, so würde man jetzt über den Nutzen oder Schaden der-, selben ein bestimmtes Urtheil fällen können, und eS würde nicht mehr! jeder einzelnen Generation überlassen seyn, ihre Versuche aus ihreeigene Kosten immer wieder von vorn anzufangen. Aber selbst der