Band 
Zweiter Band.
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Quetelet, über den Menschen.

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innere Bild, wenn ich so sagen darf, steigt dadurch über den äußerenEindruck deö Auges herauf, und erleuchtet und berichtigt denselben.Eben so wird die anfangs beinahe unverständliche Stimme einesSchauspielers vollkommen deutlich, wenn man die Worte liest, die erso eben declamirt, ja oft schon, wenn man die Gesichtszüge desSprechenden durch ein Glas deutlicher sehen kann. AuS demselbenGrunde erscheinen uns ganz gewöhnliche Gegenstände im Dunklen oderim Zwielichte oft unter den seltsamsten Gestalten, und der Schrecken,den sie erregen, wird oft bis zum Entsetzen, bis zur Ohnmacht ge-steigert, ja manche sind auf diesem Wege zu Geistersehern, zu Visio-nären geworden, die im wachenden Zustande zu träumen scheinen.Aehnliche krankhafte Affectionen irgend eines unserer inneren Organeliegen auch wohl den Mondsüchtigen zum Grunde.

Oft glauben solche Kranke, die Stimmen fremder Personen zuhören, oder sie selbst vor sich zu sehen. In den Gegenden an derNordseite des kaöpischen Meeres hat diese Krankheit eine Art vonepidemischem Charakter*), die oft ganz gesunde Personen befällt, die-selben zu den wunderlichsten Visionen verleitet, und, wenn sie längerwährt, gewöhnlich zum Tode führt. Bonnet erzählt von seinemGroßvater, einem sonst sehr gesunden Greise, der aber seines Wohl-befindens ungeachtet solche Erscheinungen in Menge hatte, an denener sich später selbst ergötzte, nachdem er bemerkt hatte, daß sie keinennachtheiligen Einfluß auf seine Gesundheit äußern. Die Geschichtesolcher Personen mit unparteiischer Wahrhaftigkeit erzählt, würde nichtminder interessant seyn, würde uns nicht weniger wichtige Aufschlüsseüber jenen inneren Menschen geben, als die uns ebenfalls noch größ-tenteils unbekannte Darstellung unseres Lebens im Schlafe und wäh-rend den Träumen. Hier ist gewiß noch vieles verborgen, das uns,aufmerksam und vorurtheilsfrei beobachtet, über unö selbst sehr auf-klären könnte.

Wie viel Geheimnißvolles und Unerklärliches liegt nicht in dem,was wir Gedächtniß zu nennen pflegen. Wer hat nicht schon diehöchst sonderbaren inneren Bewegungen gefühlt, die wir gleichsam un-willkürlich vornehmen, wenn wir uns an einen Namen oder eine Sacheerinnern wollen, die uns nur zum Theil entschwunden ist, und derenBenennung uns, wie man zu sagen pflegt, auf der Zunge liegt. Es^ ist, als ob man das Verlorengcglaubte nicht so wohl in dem Kopse,

') Sie ist in den russischen Gouvernements von Kasan, Pensa, Astra-chan u. f. unter dem Namen des „weißen hitzigen Fiebers" bekannt.

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