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Quetelet, über den Menschen.
als vielmehr nur in einem Theile, in einem bestimmten Winkeldesselben suchte, etwa wie man eine in einem Kasten verlegte Schriftnur in gewissen Fächern desselben sucht, wo sie, einer gewissen Ahnungzufolge, liegen soll. Eindrucke der frühen Jugend erhalten sich oftbis in das späteste Alter, und sind selbst dann noch lebhaft, wenndie der männlichen Jahre schon längst wieder verschwunden sind. Esist, als ob jene ersten Eindrücke, die sich so tief in unser Gedächtnißgegraben haben, nur die Zeit der Reife der späteren abwarten woll-ten, um dann mit ihrer ganzen sugendlichen Frische wieder hervor-zutreten, so wie die Gestirne, wenn das Licht der Sonne für unsverlischt, erst in der finsteren Nacht mit ihrem hellsten Glänze hervor-treten. Warum behält man die Dinge, die man am Morgen einesTages gehört oder gelernt hat, am sichersten? Warum vergißt manim Gegentheile jene am leichtesten, die man, etwa aus einem Briefe,unmittelbar vor dem Einschlafen erhalten hat? Warum werden ver-wickelte Untersuchungen, wenn man sie einige Tage ruhen läßt, undsich absichtlich ganz von ihnen entfernt, nach dieser Zeit oft so klarund deutlich, als sie durch eine fortgesetzte angestrengte Untersuchungvielleicht nie geworden seyn würden? — Wir bewundern oft, undnicht mit Unrecht, daö ungewöhnlich starke Gedächtniß einzelner Men-schen. Aber wenn man bedenkt, welche Anzahl von Dingen auch dasgewöhnlichste Gedächtniß eines jeden Menschen in sich aufnehmen muß,so können wir nur erstaunen, wie so viele Gegenstände in einem sokleinen Raume ohne Verwirrung Platz finden mögen. Einem Sängerauf unseren Bühnen z. B. muß jede Sylbe seiner Rolle, ihr Ton,ihr Zeitmaß, nebst der Gebende, die sie begleiten' soll, klar und leb-haft in seinem Gedächtnisse vorschweben, und die morgige Rolle mußallen diesen unübersehbaren Vorrath wieder in den dunklen Hintergrundzurückstellen, um einem neuen, ähnlichen, unabsehbaren ^Heere vonVorstellungen und Erinnerungen für heute ihre Stelle abzutreten.Aber alle diese endlosen Reihen von Gegenständen liegen zu gleicherZeit in seinem Gedächtnisse, und dürfen, wie die Register einer Orgel,nur gezogen werden, um je nach dem Bedürfnisse bald die eine, balddie andere in den Vordergrund treten, und alle anderen übertönen zulassen.
Alle diese und noch unzählige andere Operationen unseres innerenSinnes werden durch Wiederholung geläufiger und nachdrücklicherzugleich. Aus dieser reichen Quelle der Physiologie entspringen unsereGewohnheiten, unsere Gebräuche, unsere Sitten. Aus ihr