Quetelet, über den Menschen.
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größtenteils läßt sich erklären, waS bei einem Volke gut und schicklicherscheint, während es von dem anderen als schlecht und unschicklichzurückgestoßen wird. Die Gladiatorcnspiele der alten Römer und dieMenschenopfer der Wilden in Afrika erregen Entsetzen auch bei jenenVölkern, die, bloßer Meinungen wegen, Tausende ihrer Briider mitLust dem Scheiterhaufen übergeben sehen, und die sich dabei, jenen gegen-über, für sehr gesittete und hochgebildete Menschen halten. Wennman den Zustand der Sclaven auf den westindischen Zuckerplantagen,oder die für immerwährende Zeiten der Verachtung übergcbene Kasteder PariaS in Indien betrachtet, ja wenn man, um nur bei unöselbst stehen zu bleiben, die Zeiten der Leibeigenschaft, oder der In-quisition, oder der Kreuzzüge zurückruft, so kann man sich nur mitMühe enthalten, in die bittersten Vorwürfe über vieses bejammerns-würdige Geschlecht auSzubrechen, daS sich von allen Geschöpfen derErde durch seine Vernunft zu unterscheiden glaubt, während es sich,und zwar durch bloße Meinungen, Vorurtheile und Gewohnheiten, biszu so entsetzlichen Gräueln verleiten läßt.
Uebrigcnö wird man, bei einiger Aufmerksamkeit auf sich selbst,diejenigen Aeußerungen, die bloß der Gewohnheit angehören, leichtvon jenen unterscheiden, die gleichsam aus der inneren und eigenthüm-lichen Organisation eines jeden Menschen hervorgehen. Wir habengewiß sehr unrecht, zu sagen, daß die Thiere allein von der Naturmit In st inet versehen worden sind, da eben daS, was nicht zwardem eigentlich geistigen Wesen, sondern nur dem inneren körperlichenOrganismus eines jeden Menschen angehört, mit Recht denselbenNamen führen soll. Die Anhänglichkeit der Mutter an ihren Säug-ling beruht so wenig aus bloßen Vernunftgründen, als die Anhäng-lichkeit an daS andere Geschlecht, wie schon die große Macht beweist,welche diese Triebe, selbst gegen alle Vernunftgründe, auf unS äu-ßern. Vererben sich nicht sogar auch mehrere dieser Eigenschaften,gleich den äußeren' körperlichen Dispositionen, von den Aeltern aufihre Kinder? Durch bloße Erziehung oder Gewohnheit wird mandiese sonderbaren Phänomene nicht erklären, da sie ganz eigentlich derinneren Strnctur des Menschen, und, so zu sagen, dem körperlichenCharakter seines Wesens angehören. Ich habe eine Familie gekannt,in welcher seit mehreren Generationen alle Kinder um die Zeit ihrerPubertät excentrische Schwärmer in einem Grade wurden, der oftselbst Wahnsinn befürchten ließ, während sie vor und nach dieserPeriode zu den nüchternsten und verständigsten Menschen gehörten.