Band 
Zweiter Band.
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Quetelet, über den Mensche».

Drei Töchter einer Mutter, alle unbescholtene und sehr ehrbare Frauen,hatten von dieser ihrer Mutter die Sonderbarkeit geerbt, während derZeiten ihrer Schwangerschaft sede Scheere, Nadeln und andere weib-liche Utensilien, die sie bei ihren Freundinnen fanden, sich zuzueignen.Sie konnten diesem Berlangen nicht widerstehen, so viel auch sie selbstund ihre Männer, deren Glück sie in allen anderen Beziehungenmachten, dagegen kämpften, und alles, waS sie über sich vermochten,bestand darin, daß sie diese Dinge in den folgenden Tagen, unterdem Vorwande der Vergeßlichkeit, an ihre früheren Besitzerinnen wie-der zurückschickten. Ihre Freundinnen kannten diese Unart, die anfangsdaS Gerede der ganzen Stadt machte, die man aber später bloß zubelächeln sich begnügte, da daS durchaus sehr geregelte Benehmen die-ser Frauen, außer jenen Zeiten, über allen Verdacht erhaben war.

Besonders wird man über diesen Theil der Physiologie wichtigeAusschlüsse von unseren Aerzten erwarten können, wenn sie einmal ihrefortgesetzte Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand werden gerichtet ha-ben, da die merkwürdigsten Phänomene dieser Art besonders im krank-haften Zustande sehr deutlich und auffallend hervorzutreten pflegen. —Immer aber wird man, wenn man seine Untersuchungen nur unpar-teiisch genug anstellt, zu dem Resultate gelangen, daß, nächst der aufReligion gestützten Sittlichkeit, die Gewohnheit, verbunden mitjenem instinctartigen Gefühle, die mächtigsten Hebel aller un-serer Handlungen sind. Zu den letzten werden wir keineswegs, wiewir uns wohl oft zu schmeicheln pflegen, immer nur durch Ueber-legung, durch reine Vernunftgründc u. dgl. bestimmt; vielmehr gehtjeder unserer sogenannten Ueberlegungen ein gewisses dunkles, abersehr mächtig bestimmendes Gefühl vorher, daS Menschen von glück?licher Organisation nur selten trügt, und das unS gewöhnlich sichererführt, als alle künstlichen Vernunftschlüfse, welche letzte meistens ersteinige Zeit nach jenem Gefühle eintreten, und nur bestimmt scheinen,jene erste Sensation gleichsam hinterdrein zu controlliren. Der gütigeUrheber der Natur ließ es bei den Menschen nicht leicht aus dieschwache Vernunft allein ankommen, und der Trieb kömmt oft schonüber uns, wenn wir mit der Einsicht und dem eigentlichen schulge-rechten Beweise noch lange nicht fertig sind. Fühle sich nur Jederin seinen eigenen Busen, und er wird finden, daß er das Brauch-barste im Leben gewöhnlich von Niemand gelernt hat, daß es ihmvon Natur schon beiwohnt, und daß er dazu gekommen ist, ohne selbstrecht zu wissen, auf welche Art. — Auch würde es gewiß sehr schlecht