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Zweiter Band.
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Quetelet, über den Äenschen.

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um uns stehen, wenn wir alles nur aus Ueberzeugung, und nichtsaus jenem Triebe und aus der diesem Triebe so verwandten Ge-wohnheit thun müßten. Gar vieles, und vielleicht daS Beste injedem Menschen ist nur aus diesen beiden Quellen, und vorzüglichaus der Erziebung, d. h. aus der Gewohnheit von der frühestenKindheit an entstanden. Wenn unsere Erzieher, die der jungen, wiedie der alten Kinder, diese Wahrheit (die sie wohl sehr oft im Mundeführen, aber demungeachtet noch immer nicht recht begriffen haben),wenn sie dieselbe einmal recht einsehen und inS praktische Leben ein-führen werden, so wird unsere gesellige Welt eine ganz andere Um-änderung erleiden, als sie bisher durch alle Verordnungen und Gesetzeerlitten hat. Durch diese und die auf ihre Uebertretung gesetztenStrafen werden größtenthcilö nur solche Handlungen, die man ver-bietet, gehindert; durch Beweise wird bloß auf den Verstand gewirkt,von dem ohnehin die wenigsten sich leiten lassen; durch religiöse Er-ziehung, durch Instinct und Gewohnheit aber werden wir, selbst gegenunseren Willen, ganz mit fortgerissen. Ja die Gewohnheit leitet end-lich sogar den Verstand, und zieht den Geist nach sich, ohne daß die-ser eö bemerkt. Wer hat uns bewiesen daß die Sonne morgen imOsten wieder aufgehen, daß auch in diesem Jahre wieder die Ab-wechslung der Tage und Nächte und der Jahreszeiten so regelmäßig,wie in allen vorhergehenden Jahren, Statt haben wird. Und doch,was wird so allgemein von Jedermann geglaubt? — Induktion, Er-ziehung, oft wiederholte Erfahrung und Gewohnheit sind es also, dieunü so innig überzeugen, die gar keinen weiteren Zweifel auskommenlassen, so wie sie eS sind, die den Weltmann und den Pedanten, dieden Handwerker und den Soldaten machen. Zu ihnen muß man impraktischen Leben immer wieder zurückkommen, um unsere Geschäfteund Verrichtungen abzukürzen, um uns den Mangel und die Unbe-hülflichkeit der eigentlichen Beweise und jener schulgerechten Gründezu ersetzen, die in ihren Wirkungen so schwach und so langsam sind,daß sie unS gewöhnlich dann verlassen, wo wir ihrer am dringendstenbedürfen. Wer diese Beweise immer gegenwärtig haben will, machtsich viel zu thun, und kömmt nie zum Ende. Gewohnheit geht sichererund schneller zugleich, als alle schulgerechten Demonstrationen.

Es wäre sehr wünschenswerth, daß unsere Philosophen diese fürdie gesammte Menschheit eben so wichtigen als interessanten Gegen-stände weiter verfolgen und genauer untersuchen wollten, um dadurchjene höhere Physiologie zu begründen, oder eigentlich erst möglich zu