Buch 
1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
Entstehung
Seite
116
JPEG-Download
 

Il6

Grad der Hitze er nöthig hat, und welche Maaße er bey dem Baue beobachtenmuß, um denselben hervorzubringen. Man hüte sich aber demGnlen zu vielni thun, denn es läßt sich nach diesen Grundsätzen eine Hitze zmv-ge bringen,'bey welcher Häfen und Oefen schmelzen, oder doch wenigstens ball zu Grundegehen würden.

Zu e) Endlich soll die zu schmelzende Masse auch der Hitze so ausgesetzt werden,9 daß diese so geschwind und stark wie möglich darauf wirken kann. Diesesgeschiehet, wenn 0 die Häfen an den Ort in dem Ofen gestellt werden, wodie Zersetzung deö SaucrstoffgaseS und des Brennmaterials am vollständigstenist, also in der oben angegebenen Höhe über den Herden; und wenn 2) dirHäfen eine solche Gestalt haben, daß sie dem Feuer dre größte Oberflache unterallen möglichen darbieten. Was man in dieser Rücksicht.thun kann und thunmuß, solcbeS habe ich schon oben bey Verfertigung der Hafen gezeigt, wohinich also, um Wiederholungen zu vermeiden, den Leser verweisen muß.

Dieses nun sind die Hauptgrundsatze, worauf es bey dem Baue der Glasöftnankommt, und eS wird nun nicht schwer seyn, dieselben auf wirklich vorkom-mende Fälle anzuwenden, und zu zeigen, wie man nach denselben die Hülten-gebäude und Oefen einzurichten und anzulegen hat. Dieses soll nun in demFolgenden geschehen, wobey ich mich aber blos auf das einschränken werde,was die Arbeit des Direktors und seiner Glashüttenarbeiter betrisii: das meisteaber was blos architektonisch ist, mithin vor den Richterstuhl des bürgerlichenBaumeisters gehört, werde ich, als nicht hierher gehörig, übergehen.

Ich werde zuerst das Nöthige über die Anlage und Einrichtung der Hütten--gebande anzeigen, und dann die gebräuchlichsten und nöthigsten Oefenbeschreiben.

V. Von bem Hüttengebäude.

1) Gewöhnlich sind die Hütten, wenigstens bey etwas ins Große gehenden Anlagenungeheuere Gebäude, welche zwischen vier Mauern, nicht nur die Schmelzofen,> sondern auch alle übrige nöthige Oefen enthalten. Ein solches Gebäude kann

nicht unter 54 Fuß Breite haben, welche oft auf 62 bis 70 Fuß steigt; einesolche Breite erfordert ein ungeheures Dach, dieses aber große Kosten, welchewegen der sehr großen Feuersgefahr oft genug wiederholt angewendet werdenmüssen. In solchen Gebäuden lassen sich die Schmelzöfen nicht leicht soanbringen, daß frische und reine Luft einen freyen Zutritt in die Herde hat^dievielen darin befindlichen Oefen, die oft genug zugleich im Feuer seyn müssen,erfüllen alles mit Dünsten, und verderben die Luft. Ergreift das Feuer, wie sehrleicht möglich ist, einen Theil des DachwerkS, so ist selten Widerstand zuthun;denn. da das Holz durch die Hitze auf den höchste» Grad ausgetrocknet ist, da