Buch 
1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
Entstehung
Seite
151
JPEG-Download
 

151

nichts Gutes mehr zu machen. Diese Erfahrung, welche ganz in der Vernunftgegründet ist, überhebt mich alles weitem Raisonnements, und ich will nur nochdas, was Allut hierüber sagt, zur Bestättigung hersetzen; seine Worte sindfolgende.

»Man pflegte ehemals das Gewölbe des Ofens mit einer Decke, von anS«Thon und Cement gemachten Steinen zu überziehen; diese Decke hieß das«Hemd, der übrige Raum bis zur Höhe der Nebenöfen wurde ausgemauert,«und oben alles mit Mörtel von Lehm und Stroh bedeckt, so daß über den«ganzen Ofen eine ebene Fläche entstand.

* Die Erfahrung hat mich gelehret, daß dieses Verfahren die Dauer eines« Ofens bisweilen abkürzte. Ein lange anhaltendes Heitzen theilt anfänglich dem«Hemde, hernach auch dem oberen massiven Theil nach und nach, von Lage zu»Lage, einen sehr heftigen Grad von Hitze mit. Das Gewölbe des Ofens wird«sehr stark erhitzt, innerlich durch die unmittelbare Wirkung des Feuers im Ofen,«und äusserlich durch die Hitze des Hemds und des massiven Theils. In dieser«Lage der Sache erlangt die Kuppe eine große Neigung zum Schmelzen, der«Ofen fängt an zu thränen, und das Gewölbe wird weich; es giebt der großen«daraufruhenden Last, und der immer fortdauernden Ursache seines Verderbens« nach; es fallen Stücke herab in den Ofen, und die Unterbrechung der Arbeit«ist unvermeidliche Folge hiervon.

»Ich habe mir sehr gutem Erfolg das Gewölbe ganz unbedeckt gelassen.«Dem ersten Anscheine nach war zu fürchten, daß eine so beträchtliche Ver-« Minderung der Dicke des Ofens, die Zerstreuung der Hitze desto leichter bewirken«würde, und daß man durch die Verlängerung der Arbeit, weit mehr verlieren«würde, als durch die längere Dauer des Ofens zu gewinnen wäre. Der Erfolg« lehrte mich, daß eine solche Furcht durchaus nicht gegründet sey. Ich glaubte«vielmehr zu bemerken, daß der entblößte Ofen viel geschwinder auf den erforr« derlichen Grad der Temperatur gebracht werden könnte. Diese Bemerkung«scheint mir übrigens dasjenige vollkommen zu bestärtigen, was eine ganz einfache«Ueberlegung zum voraus verkündiget härte. Wenn man voraussetzt, daß die«Kuppe eine sehr beträchtliche Dicke habe, so werden die vordersten Lagen erhitzt;«die unmittelbar darin liegenden kommen bald durch Mittheilung ohngefähr auf«die nämliche Temperatur, und wegen der beständigen Fortdauer des Einheitzens«hat so etwas bey allen übrigen Lagen Stall, bis auf die letzte, die durch die«Atmosphäre abgekühlet, keine so große Hitze, wie die übrigen, annehmen«kann. Man stehet leicht, daß hier viel Feusrmaterie erfordert wird, um alle«die dichten Materien, woraus die Kuppe bestehet, zu sättigen. Wenn aber«das Gewölbe dünne ist, so wirkt demohngeachtet die äussere Luft eben so wie«auf ein dickes Gewölbe, und doch hat man weit weniger feste Theile zu erwärmen.

Ich füge dem noch bey, daß der Verlust von Wärmestoff nicht sehr beträchtlichist. Ich habe gesehen, daß auf einem nicht i Fuß dicken Gewölbe kleinesSchieferholz über 4 Monate lang lag, ohne sich zn entzünden, ja nur schwarz