Buch 
1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
Entstehung
Seite
172
JPEG-Download
 

Oefen kleineTafeln zu strecken, wegen des unnöthigen Holzverbrands. Der GradderHihe, den diese Oefen haben müssen, ist nicht groß. Er darf nicht größerseyn, als daß das Glas roth glühet, und sich eben biegen läßt. Ein höhererGrad würde das Glas zu weich machen, so daß es der Wirkung der Instrumentezu sehr nachgiebt, und Lmebenheüen bekommt, auch sich an den Streckherdanhängt. Deswegen ist besonders bey Fensiertafelglas, dessen Flächen nichtgeschliffen werden, außerordentliche Aufmerksamkeit bey Regierung des Feuersnöthig. Der Streckherd ist das Richlmaaß, von welchem die Ebenheit der zustreckenden Tafel abhängt. Er maß daher vollkommen in einerley Ebene liegen,und keine Gruben, Risse, Fugen, oder sonstige Vertiefungen haben. Um diesenZweck zu erreichen, bildet man ihn aus einem Stücke, und von einer solchenMaterie, die im Feuer keine Veränderungen mehr erleidet. Man nimmt hierzuvon dem nämlichen Thon, wie zum Schmelzofen gebraucht wird, und versehtdiesen mit etwas gröblich gestampftem Cement von alten Schmelzöfen, das Ver-hältniß muß die Erfahrung lehren, denn es hängt von der individuellen Fettigkeitdes Thons ab: man seht aber so viel Cement zu, als der Thon vertragen kann.wenn er noch eine genaue und hinlänglich feste Bindung bewirken, dabey aberauch der zu verfertigende Stein so wenig wie möglich schwinden und sich werfensoll. Der Stein wird anfänglich wenigstens 7 Zoll dick gemacht, denn durchdaö Schwinden und nachherige Bearbeiten gehet noch ein merkliches ab. Manbereitet eine starke hölzerne Form von gegebener Länge und Breite und 7 ZollHöhe, legt diese auf eine ebene, mit Sand bestreute Fläche, und schlägt sie mitdem zubereiteten Thon ganz und gleichförmig aus. So bald der Thon diegehörige Konsistenz erlangt hat, stellt man den Stein auf die hohe Kante, undläßt ihn vollkommen trocken werden, auch wird er, solange es thunlich ist, vonZeit zu Zeit gebläuelt. So bald er vollkommen trocken ist, wird er starkgebrannt, welches am leichtesten in einem der unten zu beschreibenden Kühlöfen zugegossenen Spiegeln geschehen kann. Nach dem Erkalten untersucht man seineFläche mit dem Richtscheit, und findet sichs, daß seine Ebene nicht mehr voll-kommeUist, so wird mit Sleinhauermeißeln alles wieder hergestellt. So wirder in den Streckofen eingelegt, und nach dem ersten Aufwärmen dieses Ofensnochmals visitirr, und nachgeholfen, wenn es noch irgendwo fehlet. Der Steindarf in keinen Mörtel von irgend einer Art gelegt werden, denn theils schadetihm die Feuchtigkeit des Mörtels, theils würde er auch verhindert, sich nachVerschiedenheit der Temperatur ausdehnen und zusammen ziehen zu können.Man legt ihn also blos in einen trockenen, ziemlich feinen Sand. Allzeit ist mitdem Streckofen auch ein Kühlöfen verbunden, denn die gestreckte Tafel muß nuneben so wie anderes Glas gekühlet werden, und man muß dieselbe aus demStreckofen unmittelbar in den Kühlöfen schieben können, weil es nicht thunlichist, sie heraus zu nehmen und in einen entkernten Kühlöfen zu tragen. Ebenwegen des Zusammenhangs dieser Oefen mit dem Kühlöfen, verspare ich ihreBeschreibung b>s unten, wo die Kühlöfen beschrieben werden sollen.