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1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
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6. Von Auslauföfen.

Diese Art Oefe» ist jsehr selten anzutreffen, weil die Fabrikationsart,wobey sie gebraucht werden, nicht häufig vorkommt, und weil sie selbst, da wosie gebraucht werden, nicht überall bekannt sind.

Sie dienen nur bey der Fabrikation derjenigen FensierglaSart, welche derFranzos Verres a vitres, en plats ou en boudines, der Deutsche aberMondglas nennet, um eine i8 bis 22 Zoll im Durchmesser haltende Kugel ineine runde und ebene Scheibe von 42 bis 50 Zoll im Durchmesser auskaufen zulassen; hierzu wird ein Arbeitsloch von 26 bis 28 Zoll im Durchmessererfordert. In den meisten Hütten, wo diese Glasart gemacht wird, ist einselches ungeheures Loch im Schmelzofen selbst angebracht. Das hat aber sehrviele und wichtige Nachtheile: denn erstlich kann man vor diesem Loche nur einenhalben Hafen anbringen, weil es so tief herunter gehet, daß ein ganzer Hafenwieder einen Theil davon bedecken würde, es geht also bey übrigens gleicherAusgabe der möglichen Fabrikation verlohren. Zweytens die zu großeOeffnung kühlt den Ofen in kurzer Zeit sehr stark ab, und um doch die nöthigeTemperatur zu erhalten, muß mit vielem und zwar des besten Brennholzesnachgeholfen werden. Drittens, da dieses Loch sehr weit in das Gewölbe desOfens hineinreicht, auch gerade da, wo es die meiste Festigkeit erfordert, nämlichin der Ecke, angebracht werden muß, so verliert das Gewölbe einen ansehn-lichen Theil seiner Wiederlager, mithin seiner Festigkeit; auch entstehen allzeit inder Gegend dieses Lochs Hauptrisse im Gewölbe, und es fallen bald starkeStücke herunter. Viertens die Arbeit in diesem Loche erfordert viel Flamme,welche den Arbeiten, die in den übrigen Löchern geschehen, schädlich sind.Dadurch entstehet bald hier bald da Aufenthalt. Um allem diesem vorzukommen,hat man seit nicht gar langer Zeit in Deutschland angefangen, diese Auslauföfenzu bauen, welche dem Schmelzofen die schädliche Last abnehmen; und da siemit dem schlechtesten groben Holz geheizt werden können, so geht nicht viel mehrHolz auf, als beyder alten Art: dagegen kann man mehr und in kürzererZeit fabriciren. Denn man macht in diesem Ofen 5 Scheiben fertig, währendman in dem Schmelzofen kaum 4 zu Stande bringt.

Da sie einem ziemlich starken Feuer ausgesetzt werden, so ist es gut sie vonSchmelzofensteinen zu erbauen. Will man sich aber mit gemeinen Backsteinenbegnügen, so muß doch wenigstens das große Loch mit jenen ausgefüttertwerden, weil dieses viel auszustehen hat. Die beste Form dieser Oefen, welchedie Erfahrung gutgeheißen hat, ist die, welche ich hier in den Zeichnungenangegeben habe.

Die Art der Arbeit erfordert, daß diese Oefen allemal dicht an den zu dieserFabrikationsart nöthigen Kühlöfen angebracht werden. Ich werde die Beschrei-bung weiter unten von beyden zusammen nehmen.