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1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
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192
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kohlensauren (rohen) oder lebendigen (gebrannten) Kalk zu den Kompositionen braucht,wenn er nur keine verbrennliche Materie enthält, welche das Glas färben könnten. Derganze Unterschied bestehet allenfalls darin, daß man mehr rohen als gebrannten Kalknehmen muß, und zwar in dem Verhältniß der im erster» enthaltenen Kohlensäure, welchesich zerstreuet, ehe er noch in Fluß kommen kann. Es giebt Glashütten , wo man dieseErde in ihrem natürlichen Zustand, ohne sie vorher zu brennen, anwendet: aber dannmuß man auch desto mehrere Schmelzen in den Häfen machen, oder desto öfter einsehen,damit man sie nach und nach voll bringt, ohne sich dem Ueberlanfen auszusehen.

So geschwind das Brennen des rohen Kalks im Glasofen auch vor sich gehenmag, so entsteht doch allemal eine nachtheilige Verzögerung der Schmelze dadurch; einTheil der Wärme in dem Ofen wird angewendet, um die Kohlensäure in Gas zu ver-wandeln ; die in dem rohen Kalk allzeit enthaltene Feuchtigkeit verschluckt einen andernTheil; indem d,ese Dünste durch das Laugensalz aufsteigen, reißen sie einen Theil mitfort, und vermindern also die Menge dieses Schmelzmittels; wenn endlich der roheKalk irgend eine Materie enthalt, die dlirch die Kalcinirung verbrannt worden wäre; soverkohlt sich diese und färbt das Glas. Um allen diese» Nachtheilen abzuhelfen, hatmau den Gebrauch in den meisten Glashütten eingeführt, entweder lebendigen oder ander Luft zerfallenen gebrannten Kalk, statt des rohen zu den Glaskompositionen zugebrauchen.

§ 68 .

Der Hanptbeweggrund aber, warum man den Kalk neben der Kieselerde anwendet,ist die durch ihn dem Glas mitgetheilte Eigenschaft, daß es den Wärmestoff leichterdurchläßt, mithin bey schneller Abwechselung von Hitze und Kälte weniger zerbrechlichwird, und sich leichter arbeiten und schneiden laßt, als blos kieselerdiges Glas. *

Die ältesten bis auf unsere Zeiten gekommenen Gläser haben bey weitem die Weißeund das gute Ansehen unserer Gläser nicht. Alles zeigt an, daß man kein ausgelaugtesAlkali, sondern die Asche der Vegetabilien selbst mit der Kieselerde bey ihrer Verfertigunggebrauchte. Eben dieses geschiehet noch wirklich zu Venedig , wo man zu dem Spiegel-glas die Asche der Kalipfianzen nimmt; zu Tourlaville bey Cherburg zu den geblasenenSpiegeln, in vielen kleinen Glashütten , wo mau Becher-, Fenster- und Bouteillen-glas macht, selbst zu St. Gobain halte dieses in den ersten Zeilen bey dem SpiegelgießeuStatt. Ein schickliches Gemenge von Sand und gut kalcinirter Asche machte die ganzeKomposition der Glasmakerien aus. Das daraus gemachte GlaS hatte zwar alle zu ver-langende Dauerbaftigkeit, aber es hatte weder die Weiße, noch die strahlenbrechendeKraft unsers weißen und Krystallglases, zu dessen Komposition das reine aus der Aschegusgelaugte Salz, und nicht die Asche selbst genommen wird.

Erst seit der Erneuerung der physischen Wissenschaften und besonders der Chemie,hat man angefangen, das'Alkali aus der Asche zum Behuf des Glasmachens auszuziehen,und dadurch die Farben zu vermeiden, welche die übrigen Theile eben der Azche in dasGlas bringen; und da diese größtentheils talkartiger Natur sind, so war es natürlich,

daß