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1 (1802) Versuch einer ausführlichen Anleitung zur Glasmacherkunst
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daß man sie durch eine andere Erde von eben der Art zu ersehen suchte, die aber reinerwar, und das Glas nicht färbte. Die reine Kalkerde, oder vielmehr der von Kohlen-säure gereinigte Kalk erfüllt diesen Zweck bey weißen und leichte« Gläsern vollkommen,wenn er nur in tauglichen Verhältnissen zugesetzt wird.

i Noch ein Hauptbeweggrund ist auch dieser, wie die Kommissaren richtig bemerken, daß derKalk das GlaS trocknet, das heißt, er macht, daß es die Feuchtigkeit nicht so leicht anziehet.

§ 6y.

Der Kalk läßt sich in weit geringerer Menge in dem Laugensalz auf als dieKieselerde, ohngefähr sechsmal weniger in einem Glasofen. Bey dieser Temperatur istdieses die größte Quantität, welche man in Fluß bringen kann; aber man darf sich nichteinbilden, daß man auch so viel einer Glaskomposition zusetzen dürfe. Obgleich derKalk hierbey vollkommen schmelzet, so würde er sich doch bey verminderter Temperaturniederschlagen, sich vom Laugensalz trennen, und eine undurchsichtige Glasmasse dar-stellen. Diese Eigenschaft des Kalks ist sehr von jener der Kieselerde unterschieden.Beyde Erden lösen sich in Laugensalz auf, und das in desto größerer Menge, je stärkerdie Hitze ist; aber die Kieselerde scheidet sich nach vollbrachter Auflösung nie wieder,sondern krysiallisirt sich durch das Kaltwerden zu durchsichtigem Glas; der Kalk hingegenscheidet sich, und bildet eine milchigte, undurchsichtige Masse, wenn er in zu großerMenge der Komposition zugesetzt wird. Dieser Umstand hat den Gebrauch des Kalksbey dem Glasmachen in sehr enge Gränzen eingeschränkt, und man muß sogar hinterdem Punkt bleiben, wo er anfängt, Undutchsichtigkeit im Glas während seiner Krystal-lisation zu verursachen. So lehret die Erfahrung, daß man auf 100 Theile Sand nichtmehr als 7 Theile lebendigen Kalks nehmen darf, wenn man anders ein durchsichtiges Glashaben will, da doch die Dosis weit stärker seyn könnte, wenn man blos eine Schmelzungzum Gegenstand hätte, die eine glasartige, aber bey dem Erkalten undurchsichtig wer-dende Masse hervorbrächte. *

Ein anderer Beweggrund, warum man den Kalk mit vzeler Zurückhaltunganwendet, ist, daß er, während der Verglasung, die Materie der Häfen, die ausKiesel und Alaunerde besteht, angreift. Es entsteht hieraus ein Glas von dreyerleyerdigen Grundlagen, welches mit dem eigentlich fabricirlen vermischt, die Gleichartigkeitund Farbe des letzten abändert, und es oft, bey dem Uebergang aus Hitze in Kältezerbrechlich macht.

Wenn diese Beweggründe nur einen sehr eingeschränkten Gebrauch des Kalks inKompositionen zu weißem Glas zulassen, so verhält es sich doch anders, wenn von gewissengemeinen Glasarten die Rede ist. In diesem Falle kann man der Zerstörung der Häfenvorkommen, wenn man dem Glasgemenge gleich so viel Thon zusetzt, als zur wechsel-seitigen Sättigung der Kalk-, Alaun.- und Kieselerde nöthig ist. Wenn nun alles zugleichgeschmolzen wird, so entstehet keine Vermischung von unter sich verschiedenen Glasarten;man erhält eine wechselseitige Auflösung, deren Produkt ein dauerhaftes Glas ist, und