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Ueber Erziehung für Erzieher / von J.M. Sailer
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110
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ris

weise Kinderfreund. Er unterscheidet das Na-turbedürfniß deö schreyenden Kindes von demBedürfnisse der bloßen Begierde. Jenes beifriedigt er, dieses laßt er unbefriedigt läßtdas Kind schreyen, bis aufhört, widerstehtihm mit einem ernsten Gesichte, und etwa mitdem, dem Kinde noch unverständlichen, Worte:Schweig! das Schreyen rangt nichts. DaSKind versteht zwar diese Predigt nicht aberfühlend den Widerstand des Gesichtes, dolmetschtes auch das Wort, als den Laut des Wider-standes, und schweigt. Dadurch wird daS Ma-reriale des Guten (die Unterwürfigkeit untereine höhere Gewalt, als die einer Begier-de ist) im Kinde, noch ehe es das Gute undBöse unterscheiden kann, gleichsam hinterlegt als das köstlichste Rleinod, das, bey er-wachendem Tugend - Gefühle, als Tugendschayhervortritt.

Es kann also die Aufmerksamkeit auf dieKinder in Hinsicht ihrer moralischen Entwi-ckelung , wohl kaum z »früh anfangen.

Und hier ist der Punct, wo dieErb-sünde aller Erziehung" sitzt. Hier istder Knottr unsers Elendes, den fremde Händein der Epoche unsers frühesten Daseyns, ohne

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