Buch 
Ueber Erziehung für Erzieher / von J.M. Sailer
Entstehung
Seite
456
JPEG-Download
 

das Leben zu opfern, und der Verbrecherwird, in hundert Fallen gegen einen, vonSchande übermannt, sich selbst verdammen,und sie frey lassen. Der Blick des Ernstesim Auge, das erschütternde Nein im Mun-de, die Entschlossenheit in der Gebehrdemachen das schwächste Mädchen allmächtig,und den kühnste» Knecht der Wollust lahm.

-Zur Ehre des jungfräulichen Geschlech-tes muß hier eine denkwürdige Begebenheit genannt«erden. Im vorletzten Kriege, als die Franken beyHohenlinden die entscheidende Schlacht gewannen,lebte in einem Pfarrhause (der Pfarrer ward alsDranker iu die Hauptstadt geführt), eine jungeHaushälterinn, die als Hüterinn des Hauses zurück-bleiben mußte- Lag und Nacht stand das Hans of-fen, und zwanzig dreyßig Soldaten giengen im-mer auS und ein. Es konnte nicht an feinen undan groben Angriffen auf die wehrlose Hüterinn desHauses fehlen. Allein sie blieb uuentweiht. Siegieng nie in die Zimmer, um die Betten zu machen,ohne eine Waffe z. B- einen Ellenstab, mit sich zuführen. Den Ersten, der ihr etwas ausinnen mochte,was nicht taugt, warf sie mit dem derben Nein, undwenn es nicht half, mit dem derben Schlage zurück(der Ellenstab war ihr Retter). Den Zweyten, dersie in der Küche aufsuchte, verwundete sie mit demKüchenfpitze, weil er für ihr Nein keine Achtunghatte. Den» Dritten riß sie, da sie eben keine an-

> dere