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Verhandlungen des Ersten Internationalen Mathematiker-Kongresses : in Zürich von 9. bis 11. August 1897 / hrsg. von Ferdinand Rudio
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II. Teil: Wissenschaftliche Vorträge.

gezehrt hat. Die Anwendung auf die Schiffspropulsion und dieLokomotive bedingten mehr nur Thatkraft und technisch praktischenScharfsinn.

Um die gleiche Zeit entstanden, als summarisches Ergebnis vielerlangsam fortschreitender Verbesserungen reiner Praktiker, die Maschinender Textil-Industrie und vieler anderer. Sehr frühe hingegen stand dieElasticitätstheorie dem Baukonstrukteur beim Entwürfe grofser Bauten,so besonders der Eisenbrücken, als Beraterin zur Seite.

Einen fundamentalen Fortschritt verdanken wir der Wissenschaftin der Aufstellung des Prinzipes von der Konstanz der Energie, welchesso recht für die Zwecke der Technik, man möchte sagenerfundenworden zu sein scheint. Mit diesem koordoniert und, wenn eine Steige-rung möglich, noch weittragender ist das Prinzip von Carnot-Clausius,welches wie ein heller Strahl das bis dahin verworrene Dunkel derWärmemotorentheorie erleuchtete und der erfinderischen Denkthätigkeitfür alle Zeiten eine bestimmte Richtung wies. Mechaniker waren imdsind es ja, die sich am ehesten an die Verfolgung des Irrlichtes voneinem Perpetuum mobile machen und deren Illusion nun gründlich zer-stört wurde. Mehr noch als das ist im Satze von Clausius gethan,der die beschränkte Verwandelbarkeit der Energie lehrt und demNutzeffekt der Maschine einen eisernen Zwang auferlegt, welchen auchder himmelstürmende Erfinder mit Resignation anerkennen mufs. Esist schwer, sich vorzustellen, dafs die Wissenschaft der Technik jenoch ein Geschenk von so überwältigender, universeller Bedeutungdarbieten könnte.

Die Technik bemächtigte sich denn sofort des ihr grofsmütig dar-gebotenen Hilfsmittels. Der geniale Hirn machte als einer der erstendie Nutzanwendung auf die Dampfmaschine und bereicherte, durchEinführung überhitzten Dampfes, den Vorrat ihrer Mittel um einenwichtigen Faktor, dessen Bedeutung erst die neueste Zeit in das richtigeLicht zu stellen vermochte.

Reine Intuition hat zur Erfindung der Gasmaschine geführt, die einenneuen Markstein in der Geschichte der Wärmemotoren bedeutet. Nichtals Folge der Clausiusschen Anweisung, das Temperaturintervall derkalorischen Maschine zu vergröfsern, entstand Ottos Schöpfung. Einemunwiderstehlichen Zwange folgend, begab sich der ehemalige Hand-lungsgehilfe auf das Gebiet des Erfindens, und nach jahrelangem,mühevollem Ringen gelang es ihm, seiner Idee zum glänzenden Durch-bruch zu verhelfen. Erst in allerletzter Zeit, da schon Tausende vonMotoren der Industrie Dienste leisteten, unternahm es die Wissenschaft,die Vorgänge am Gasmotor zu erklären.