Band 
Erster Theil.
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274
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274 II- Klasse. Chemikalien.

Magnesia in Doppeltkohlensaure verwandelt und aufgelöst worden ist,wird kein Kalk gelöst. Es ist daher nyr darauf zu achten, daß keinUeberschuß von Kohlensäure angewendet werde. Man läßt den Kalkabsetzen, zieht die klare Lösung von doppeltkohlensaurer Magnesia abund erhitzt dieselbe zum Sieden, wodurch die überschüssige Kohlensäureausgetrieben und die reine kohlensaure Magnesia in lockerem Zustandegefällt wird.

Ueber die Aussteller verschiedener Farben und Extrakte für Färber,wie Marshal, Johnson, Lee u. A. (letzterer giebt an, ein neuesvortreffliches Schwarz für Seide erfunden zu haben), läßt sich aus denBeobachtungen auf einer Ausstellung nichts Lcscnswerthes mittheilen,wo, wie hier, kein Gedanke daran sein konnte, Proben mit den ausge-stellten Substanzen vorzunehmen.

In Betreff von Färberei auf Baumwolle ist von Mercerauf der Londoner Ausstellung zuerst ein allgemein anwendbares Ver-fahren zur Anschauung gebracht worden, welches so rein chemischerNatur ist, daß wir es in diesen Theit des Ausstellungsberichts auf-nehmen zu müssen glauben. Es wird ohne Zweifel eine hohe Bedeu-tung erlangen, was auch heute von einigen Färbern und Druckern,vielleicht mehr, um seine Verbreitung einige Zeit aufzuhalten, als auseigener Nngläubigkeit dagegen eingewandt werden mag.

Es besteht in Folgendem: Die gewebten oder gewirkten Baum-wollenfabrikate werden ein bis zwei Minuten lang in eine Lauge vonkaustischer Soda getaucht von 1,26 —1,28 spezifischem Gewicht bei15 —18 " C., dann in Wasser, hierauf in sehr verdünnter Schwefel-säure, zuletzt in Wasser gespühlt. Durch diese Operation hat sich dasAnsehen der Waare wesentlich verändert. Lose gewebte Zeuge sind weitdichter geworden; freilich haben sie etwa ein Sechstel in der Breiteeingebüßt, aber sie sind auch viel stärker und härter geworden. FädeNdaraus, welche durchschnittlich nur 12 Loth tragen konnten, ehe siepräparirt wurden, tragen jetzt 16 Loth, ehe sie zerreißen. GewirkteWaaren dagegen haben den Nachtheil, sehr an Elastizität zu verlieren-'matt kann dies vollkommen zugeben, ohne den Werth des Prozessesherabzusetzen. Meinungen, wie geäußert werden, z. B. daß solcheStrümpfe, die allerdings sehr viel schöner aussehen, wie vor der Präpara-tion, aber sehr unelastisch geworden sind, wegen Nichtgestattung derAusdünstung ungesund zu tragen seien, sind ganz grundlos. Der Er-finder glaubt nachweist» zu können, daß die Soda sich chemisch mit derBaumwolle verbinde, die Schwefelsäure zersetze die Verbindung, scheideaber die Baumwolle mit einem Atom Wassergehalt mehr ab, als sirim gewöhnlichen Zustand enthalte. Das Wasser entweiche bei 76 ° C-,ohne daß die Eigenschaften der präparirten Faser verändert würden.Man kann den Beweis für diese Erklärung als noch nicht geliefert be-trachten. Man mag sich die Wirkung vielmehr mechanisch vorstellen-