Band 
Erster Theil.
Seite
275
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8. 35. Zollverein und Mittel-Europa . 275

Die Sodalauge macht die platt zusammcngetrocknete, schlauchartigeBaumwollenfaser aufquellen, daher die Verkürzung, dringt in daö In-nere derselben und wird daraus nur mit Hülfe der Schwefelsäure voll-ständig ausgewaschen, was leicht stattfindet. Der aufgequollene Zu-stand, das Rundwcrden der platten Faser soll sich unter dem Mikros-kope leicht erkennen lassen: weiche Schwierigkeit besteht dann noch, denWichtigsten Theil der Entdeckung zu begreifen, auch ohne Zuziehungder chemischen Veränderung, daß nämlich die präparirtc Baumwollestch so schön, intensiv und feurig, wie Wolle färbt.

Die Farbstoffe vermögen jetzt in die Faser selbst einzudringen, siehaften nicht mehr blos auf der Oberfläche, sie werden in größererMenge aufgenommen, sie sind fester gebunden; die Faser selbst, nichtNur die Oberfläche, muß zerstört werden, wenn sie sich abreiben sollen.

Es liegen uns eine Masse von Probe» vor, wo die halben Stückepräparirt, die andere Hälfte nicht präparirt und das Ganze danngleichzeitig in denselben Bädern gefärbt wurde. Die ersteren Theilesehen wie wollene Stoffe, die zweiten wie gewöhnliche Kattune aus;eben so ist es bei Baumwollen - Sammet u. s. w. Bedruckt man dieStoffe vor der Präparation mit Gummi, so wirkt die Sodalaugc andiesen Stellen nicht ein, eS bleiben gemusterte Zeuge mit lichteren unddichteren Stellen; färbt man diese, so ist die Färbung eben so verschie-den. Allerdings lassen sie sich nicht glätten. Die vollendeten Versuchean vielleicht 50 verschiedenen Stücken liegen vor, die Anwendung imGroßen kann und wird nicht ausbleiben.

§. 35.

Der Deutsche Zollverein und die Staaten des mittleren

Europa's.

l. Wir haben schon oben erwähnt, daß wir weniger vollständigdie Deutsche chemische Fabrikation vertreten erachten, als es der Zu-stand dieser Industrie gestattet hätte; wir haben nichts prinzipiell NeuesM nennen, wir haben aber viel lobcnöwcrthe Leistungen anzuführen,und können behaupten, daß, wenn die Deutsche Ausstellung auch mitder prachtvollen Englischen nicht in Wettkampf zu treten vermag, siedoch selbst Frankreich übertrifft, und Oesterreich, Belgien u. s. w. weithinter sich zurückläßt, wenigstens, was den Werth der Gegenstände,Wenn auch nicht, was die äußere Erscheinung betrifft. Die auf stachenTischen dicht zusammengedrängten, oft kleinen, unscheinbaren Gläser ge-ben kein einladendes Aussehen, und wenn man die großen Schränkeder Engländer eben gesehen, wenn man die gefälligen Echaffaudagcnder Franzosen durchgegangen, so werden einige Gläser, selbst wenn siegwß sind und eine große Fabrik vertreten, Mühe haben, sich als wür-dige, den richtigen Eindruck hervorbringende Ausstellung geltend zu machen.

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