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II. Klasse. Chemikalien.
Wir haben zuerst die Herrmansche Fabrik zu Schöncbeck zu nen-nen. In Deutschland ist sie wohlbekannt, aber auch hier hat ihrereiche Ausstellung von reinen und vorzüglichen Präparaten gerechteAnerkennung gefunden. Als die bemerkbarsten aus den vielen Präpa-raten glauben wir anführen zu müssen: Brom , glasartige Phosphorsäure,Schwefelkohlenstoff, reines kohlensaures Kali, rcjne Gallussäure. Dasvon Kieselerde und Chlor freie Kali ist für den Chemiker höchst werth-voll, und gleich willkommen wird die reine Gallussäure dem Photo-graphen sein.
Die chemische Fabrik von Stohmann und Wüstenseld zu Neu-Salzwerk hat erst in den letzteren Jahren einen bedeutenden Aufschwunggewonnen. Sie ist, wie die Schönebecker Fabrik, wesentlich auf Be-nutzung der Mutterlauge der Saline gegründet und produzirt die da-durch bedingten Präparate in möglichst vielseitiger Ausdehnung; auchhat sie einige seltenere chemische Körper, Bromal z. B-, ausgestellt. Eswar zu bedauern, daß die übrigens sehr lobenswertsten Produkte durchzu kleine und unscheinbare Verpackungsgefäße weniger hervortretendwurden, als leicht herbeizuführen gewesen wäre.
Die dritte Fabrik, welche kaum weniger mannigfache Präparateeingesandt hat, ist die von Dr. Louis Kunh eim in Berlin . Die grö-ßere Masse ihrer Produkte ist offenbar für den Färber bestimmt, dieAusstellung war elegant und zeigt die Mannigfaltigkeit der Richtungdieser Anstalt. Ein große Flasche mit Wolsramsäure kann wohl alsdas seltenste Präparat genannt werden. Es ist übrigens auffallend,daß hier von mehreren Seiten diese Säure, welche früher selten i>»Handel zu finden war, in bedeutender Menge ausgestellt worden ist.Offenbar wird jetzt mehr gewonnen und nach einer Verwendung der-selben, die sich wohl am ersten von der Färberei erwarten läßt, gestrebt.
Zwei andere Fabrikanten, welche vorzugsweise den Bleichereien undPapierfabriken ihre Bedürfnisse liefern und diese in wenigen, aber schö-nen Proben eingesandt hatten, sind E. Math es und Weber in Duis-burg, und Wesenfeld u. Comp. in Barmen. E. E. Cochiuö aus Ora-nienburg lieferte eine große und schöne Krystallisation von gelbem Blut-laugensalz vorzüglicher Beschaffenheit. Die Fabrik bringt jährlich an3000 Centner dieses Salzes in den Handel. O. Pauli aus Carlsruhe ,dessen längst bestehende, in fortwährender Vergrößerung begriffene An-stalt auf die aus Knochen darzustellenden Substanzen ihre Hauptthä-tigkeit verwendet, stellte sehr schönen Phosphor, ganz vorzüglich reines,in schöner Form krystallisirteö Blutlaugensalz und ein Salmiakbrod aus;von letzterem liefert die Fabrik jährlich etwa 400, von dem Blutlaugen-salz etwa 1600 und von dem Phosphor 80 Centner. Auf die schwefel-gelbe Farbe des Blutlaugcnsalzes wird viel Werth gelegt, weil sie zeigt,daß es frei von kleinen Mengen des rothen Salzes ist, welche, wennsie vorhanden, sehr nachtheilig durch Bildung des grünen Cyaneisens