Band 
Erster Theil.
Seite
284
JPEG-Download
 

284

14 Klasse. Chemikalien.

Obige Angaben sind nur auf mündliche Mittheilungen gegründet,verdienen aber gewiß aufmerksame Beachtung.

Dieser Fabrikation reiht sich am naturgemäßesten die Jodgewin-nung an.

Sie ist vertreten durch Courmerie, den Nachfolger des Ent-deckers des Jodes, Courtois. Er soll eine eigenthümliche Methode be-sitzen, wonach das Umsublimiren überflüssig wird. Uebrigens wird inFrankreich bei weitem der eigene Jodbedarf nicht gewonnen, sonderndas rohe Jod aus Irland und Schottland bezogen und umsüblimirt.Conrad, der dieses Geschäft in Paris treibt, hatte auch gutes raffünirtes Jod und schöne Brode raffinirten Kamphers ausgestellt. Diegroße chemische Fabrik von Gebrüder Kuhlmann in Lille hatte, nebeneiner Reihe von Salzen der Alkalien und Erden, kaustischen Baryt undein in Wasser gelöstes Gemenge mehrerer Ammvniaksalze, zur Düngungbestimmt, ausgestellt. Letzteres gewinnt er, indem die nicht kondensir-baren Gasarten aus den Schwefelsäure-Bleikammern durch einen Ka-nal geleitet werden, der durch die bei der Steinkohlengas-Fabrikationabfallenden Wasser oder Urin naß gehalten wird. Sicher ist dies eingenügendes Mittel, um die Nachbarschaft der Fabrik vor den schädlichenabziehenden Dämpfen zu bewahren, und das Produkt ist werthvoll fin-den Landbau. Freilich kann es nicht weit verfahren werden; bei gu-tem Betrieb der Fabrik kann aber auch die gewonnene Masse nicht sogroß sein, daß sie nicht in der Nachbarschaft Verwendung zu findenvermöchte.

Die Darstellung des kaustischen Baryts geschieht für die Zucker-fabrikation, um nach Dubrunfaut'ö Prozeß aus den Melassen desRohrzuckers vollständig den kcystallisirbaren Zucker zu gewinnen. Numa,Gras u. Comp. aus Valenciennes haben diese Fabrikations-Methodeauf der Ausstellung durch Auslegung der einzelnen Produkte zur An-schauung gebracht.

Der kohlensaure Baryt, aus England bezogen, und, der Zucker-fabrikation wegen, von der Eingangsabgabc befreit, wird mit Kohlegemengt und geglüht, in kaustischen verwandelt: das Produkt der Melassezugesetzt, schlägt allen Rohrzucker als unlöslichen Zuckerbaryt nieder.Man trennt die dunkle überstehende Flüssigkeit, wäscht ab, übergießtmit Wasser und leitet die Kohlensäure, welche sich bei dem Glühen desfrüher benutzten Baryts entwickelt, in den aufgeschlemmten Znckerbaryt.Es fällt kohlensaurer Baryt nieder, der Zucker löst sich farblos undfrei von allen fremden Materien in Wasser; diese Lösung wird überctwas Kohle und Gyps filtrirt, wodurch die letzte Spur etwa gelöstgebliebenen Baryts entfernt wird, und zur Krystallisation verdampft.Der ausgefällte kohlensaure Baryt wird durch Glühen mit Kohle wie-der kaustizirt. Für die Verarbeitung der Syrupe in Rohr- und auchwohl in Rübenzucker-Raffinerien wird das Verfahren Vortheilhaft wer-