644 ^11 Klasse. Bürgerliche Baukunst.
mehrstm Fällen ein richtiger praktischer Blick und eine zweckmäßige 6^kennung des Verkehrs - Bedürfnisses bemerkbar macht.
') Die nachfolgenden Bemerkungen, für deren gütige Mittheilung wirÖber-Baurath Hartwich verbunden sind, wurden bei dessen gelegentlicher Anmesstheit in England während der Ausstellung aufgezeichnet.
Z. 172.
Wahl der Bahnlinien und Konstruktion der Bauwerke.
Die Linien scheinen, so weit es sich beurtheilen läßt, zweckmäßig den Terra»"Verhältnissen angepaßt, wobei man immer auf möglichste Beseitigung der Steig""'gen Bedacht genommen und keine großartigen Bauten gescheut hat, um diesen 3>^"zu erreiche».
Bei der Herstellung des Bahnkörpers, der nirgend für nur ein Geleise angenbist, hat man nach Maaßgabe der Bodengattungen im Allgemeinen die in Deutscht""üblichen Profilirnngen angewendet. Nur bei Felseinschnittcn ist man weniger t's'denklich und sorgsam, dieselben sind znm Theil selbst in sehr klüftigen Felsen außU'ordentlich steil. Der fette und guellige Thouboden verursacht oft große Anstreng»'"gen und Arbeite», um Abgleitungcn der Böschungen oder Zerstörungen von Ballw^ken z>l verhüten. Davon geben in der Nähe von London die bei der Londott-B»'mingham- und bei der Verbindungsbahn ausgeführten Vorkehrungen Beispiele; >»""war dort genöthigt die die Einschnitte begrenzenden Futter-Mauern durch starke g>»'über die Bahn reichende eiserne Stützen gegen das Zusammenschieben zu schützt'Ueberall hat man mit großer Sorgfalt auf Entwässerung des Plannms Bedacht iss'nominell. Sämmtliche Bahnen ohne Ausnahme sind in ihrer ganzen Länge einkss'friedigt, theils durch Manern, theils durch sehr ausgedehnte Zäune von schwache"Eisenstangen und Draht, besonders aber durch Hecken, welche überall wo schwer^und guter Boden vorhanden ist, einen außerordentlich raschen und kräftigenhaben, so daß sie ihren Zweck vollständig erfüllen.
Wegeübergäugc befinden sich bei den älteren Bahnen fast niemals in der Ha""zontale der Bahn, sondern entweder über oder unter derselben, was oft nicht geringSchwierigkeiten herbeigeführt und die Anlage großer Rampe» oder tiefer Durch'schnitte unter der Bahn veranlaßt hat. Bei den neueren Bahnen dagegen sind d»Uebergänge dem Terrain entsprechend eben sowohl in der Horizontale der Bahn,auch über und unter derselben angelegt. Bei den Anlagen in der Horizontale weichtdie Konstruktion von der bei den Deutschen Bahnen üblichen wenig ab. Die B""'riöre-Verschlüsse sind immer durch drehbare oder auf Rollen schiebbare Thore lü'wirkt. Zu diesen Thoren sind oft sehr zweckmäßige leichte KonstruktionenSchmiedeisen gewählt.
Die Anlage der Brücken bietet die aller verschiedenartigsten Konstruktionen da"-jeder Ingenieur ist dabei seiner Ansicht gefolgt, wobei es nicht fehlen kann, daßneben vielem Sinnreichen und Zweckmäßigen vieles Abnorme und Unzweckmäßige g"'schaffen ist. Man kann von keinem Systeme sagen, daß es vorherrscht, vielnwh"wechseln: Massivbau von Werksteinen vom flachsten Bogen bis zum gothischen Ä»'gen, Massivbau in Ziegeln ebenfalls bis zur äußersten Grenze der flachen, so wie de"schiefwincklichen größtentheils in einzelnen Ringen ausgeführten Wölbungen, G»^eisen in sehr verschiedenen Anwendungen, auch in Verbindung mit Schmiedeisi»'Schmiedeisen allein, so wie in Verbindung mit Holz, Holz von der einfachsten Pfa^'werk- bis zur künstlichen Bogen- und Sprengwerks-Konstruktion. Eben so versch>^