650 ^'11. Klaffe. Bürgerliche Baukunst.
lich die Nachtheile der Drehscheiben guter Konstruktion überschätzt, die großen Dorrtheile, welche deren Anwendung mit sich führt, aber nicht genug berücksichtigt undauch wohl die Nachtheile der Weichen nicht sorgfältig genug erwogen.
Wenn die zum Wenden der Wagen bestimmten Drehscheiben nicht von Holz,dern von Eisen in der ganzen Plateform vollständig fest und tragfähig konstrnirt, n>üzweckmäßigen Feststellnngs-Vorrichtnngcn versehen sind, so wird deren unrichtigStellung jedenfalls keine größeren Nachtheile als die unrichtige Stellung einerWeiche hervorbringen können, die unrichtige Stellung einer Drehscheibe, besonderseiner solchen, welche nur für die rechtwinkliche Verbindung dient, und welche mürechtwinklichen Geleisen versehen ist, wird aber viel seltener vorkommen als die n»-richtige Stellung einer Weiche.
Was nun die Stöße auf gut konstruirten Drehscheiben anlangt, so sind diesesben durchaus nicht größer, als bei jedem Herzstück, wenn sie auch besonders untergeschlossenen Hallen viel hörbarer sind. Bei langsamer Bewegung sind sie daherauch keineswegs so besonders nachtheilig und es ist ganz unzweifelhaft, daß dietriebsmittel beim Passiren einer Weiche, zumal wenn diese Passage, wie es so seiffhäufig vorkommt, mit gebremseten Rädern geschieht, ungleich mehr leiden,bei dem Uebergange über eine Drehscheibe.
Bei Einrichtung eines Bahnhofes mit ausschließlicher Anwendung der Weichtwird eine ganz ungewöhnliche Längen-Ausdehnung selbst bei einem sehr mäßigtVerkehr nothwendig; in demselben Maaße vermehrt sich die Länge der Nebenfträngr,und bei einem etwas größeren Verkehr wird eine große Zahl von Weichen nothwewdig, deren Bedienung wiederum eine große Zahl von Weichenstellern erfordert. DllBetriebs-Gebäude müssen weit auseinander gestellt werden. Soll z. B. bei 14 Fußvon einander entfernten Geleisen und Kurven von 600 Fuß Radius ein Wag^durch Weichen von einem Geleise in das andere geschafft werden, so muß derselbeeinen Weg von mindestens 32 Ruthen durchlaufen. Vergrößert sich nun aber d"Verkehr, sollen neue Betriebs-Einrichtungen getroffen werden, so werden bald düausgedehntesten Räumlichkeiten zu klein erscheinen.
Bei Anwendung der Drehscheiben wird die Verbindung zwischen den Geleiseaußerordentlich erleichtert. Auf sehr kleinen Räumen mit sehr geringem Person«^kann die Verwechselung der Wagen und Rangirnng der Züge schnell bewirkt w"sden, jeder Raum aus dem Bahnhofs-Terrain läßt sich zweckmäßig benutzen, was b"Weichen durchaus nicht thnnlich ist, es lassen sich daher auch mit Leichtigkeit ncMAnlagen den bestehenden bequem anpassen.
Die gänzliche Verbannung der Drehscheiben zur Vermittelung des Verkehrs amden Bahnhöfen dürfte daher in der That nicht gerechtfertigt erscheinen, und der U"''stand, daß dieselben in ganz England sowie in Frankreich, Belgien und Süddeutscheland ebenso wie in Amerika allgemein in Anwendung sind und auch bei allen neue"Bahnen stets noch in Anwendung gebracht werden, dürfte genugsam für deren Nutzessprechen, zumal man bei dem sehr theuern Arbeitslohn in England vor allen Di"'gen auf Ersparniß.an Arbeitskräften Bedacht nimmt.
An Punkten wo Züge sich schnell bewegen, wird man selbstredend unter keinesUmständen Drehscheiben einlegen dürfen, was auch in England nicht geschieht, sowllman es an solchen Punkten dort auch möglichst vermeidet, daß Züge durch Weichtvon einem Strang in den andern übergeführt werden. Wo dagegen sich alle Züissnur ganz langsam bewegen können, wie z. B. unter den Hallen an End- und Kopnstationen, werden Drehscheiben selbst in den von den Zügen passtrten Geleisen oh»°Nachtheil für die Sicherheit des Betriebes Platz finden können und dieselben werdetfür die Erleichterung des Verkehrs große Vortheile gewähren.
Aus den Güterstationen dagegen müssen dieselben zur raschen und zweckmäßig"^