684 ViH- Klaffe. Schiffe, Waffen und Ausrüstungsgegenstände.
dienstmäßigen Säbel für die Offiziere der Englischen Infanterie, Kavallerie und Ma-rine ausgestellt hatte.
K. 188 .
Waffen aus den Britischen Kolonien.
Wir erwähnen zuletzt in der Kürze der Waffenausstellnng der Englischen Kolo-nien und insbesondere Indiens , die indeß, vom rein gewerblichen oder kaufmän-nischen Standpunkt aus, nur wenig interessieren kann.
Die Anfertigung außerordentlich großer und kunstvoll verzierter Kanonen ist seitlanger Zeit eine Lieblingsanfgabe in Indien gewesen. Die Ausfüllung zeigte unterAndern das Modell der berühmten 840 Ctr. schweren metallnen Kanone von Be»-japore, deren Kaliber 25 Zoll beträgt. Zwei bronzene Dreipfündet auf Räderlaffete»waren höchst geschmackvoll mit Laub- und Astwerk verziert und meisterhaft ciselirt.Eine kleine schmiedeiserne Kanone von 1?- Zoll Kaliber war wie eine Büchse gezogen,übrigens auch nur für Bleikugeln bestimmt. Alle diese Arbeiten sind älteren Da-tums; die im Modell vorhandenen neueren Geschütze der Britisch-Indischen Armeewaren ganz nach Englischem Modell geformt.
Als Kuriosität verdient noch die Indische Elephanten-Artillerie Erwähnung.Ein hierzu gehöriger Sattel war ausgestellt, dessen Knopf oben ein Charnier hatte,in dem sich eine kleine metallene Kanone von etwa l^zölligem Kaliber bewegte, dieder Reiter mit der Hand richtete und mit einer Lunte abfeuern konnte.
Unter den weiter ausgestellten Waffen kann nur an die Erzeugnisse der Indische»Eisen- und Stahl-Kompanie zu Beypore der Maßstab Europäischer Industrie gelegtwerden, deren Schwerter und Dolche namentlich recht gut gearbeitet erschienen, obgleichkeineswegs mit Solinger oder Birminghamer Fabrikat vergleichbar.
Die von Eingebornen verfertigten langen Lunten- und Steinschloß-Gewehrewaren theilweise sehr kostbar und mit Aufwand von viel Zeit und Mühe angefertigt,ohne jedoch die Europäischen Ansprüche au Geschmack und Schönheit einigermaße»zu befriedigen. Die reiche Garnitur einzelner Gewehre aus emaillirtcm Goldblechbestehend, mit Zeichnungen in sehr schönen lebhaften Farben verdiente übrigens dieAufmerksamkeit der Goldarbeiter. Die Läuse der Gewehre waren meist damascirt,allein in ungleichmäßigen und groben Zeichnungen; das äußere Ansehen war ga»Zbesonders durch die Behandlung mit starken Säuren beeinträchtigt, wodurch der Da-mast in erhabenen Rippen hervortrat.
Unter den blanken Waffen zeichneten sich mehrere Malayische Dolche aus. AlsKuriosität waren die Säbel und Dolche zu betrachten, deren Klingen sich durch eine»Druck auf den Griff in vier oder fünf Klingen theilten. Ueberhaupt war die ganzeWaffensammlung der verschiedenen Asiatischen Völkerschaften, die vergoldeten Streit-äxte, Bogen, Pfeile, Schilde, Spieße u. s. w. weit mehr geeignet, das Interesse desGelehrten und Alterthumsforschers, als des Waffenfabrikanten zu befriedigen.
Ausgezeichnet ist das Material an allen Indischen Waffen; sowie man fi^neuerdings von Seiten Englands Mühe giebt, dem Indischen Eisen an der Stelledes Schwedischen Eingang zu verschaffen, und es insbesondere auch zur Gußstahl-fabrikation zu verwenden. Indien ist bekanntlich das Erzengungsland sehr berühmterStahlsorten, z. B. des Wootz und des Stahls für ächte Damascenerklingcn, dienach uralter Methode direkt aus den Erzen dargestellt werden.
Die ausgestellten Schwerter waren meist aus ächtem Damaskusstahl, theilsaus schwarzem Persischem und Kaukasischem Stahl.