§. 189. Vereinsländische Feuerwaffen, Ziinbmittel, Pulver rc. 685
H- Der Zollverein, Norddeutschland, Belgien und
8. 189.
Dereinsländische Feuerwaffen, Zündmittel, Pulver und Schrot.
Die Besprechung der Waffeuausstellrmg des Zollvereins wird mit einem Gegen-llande eingeleitet, der die Aufmerksamkeit der gewöhnlichen Besucher sowohl als der^chniker in außergewöhnlichem Maaße in Anspruch nahm. Es war dies eine nach^ssußischem Muster ausgeführte sechspfündige Gußstahlkanone von Fr. Krupp inEisen, auf einer Lastete von polirtem Eschcnholz ruhend. Die Idee und Konstruktion^ Ganzen, die Bewältigung der Schwierigkeiten in der Darstellung und Bearbei-"»g eines solchen Materials, der Geschmack, die Eleganz und Feinheit der Ausfiih-^»g, die unübertreffliche Politur des Rohrs und aller Eisen- und Stahltheile biss">n kleinsten Band oder Stift des Beschlages, alles dies erhob die Arbeit von KruppRange eines wahren Kunstwerks, und verschaffte ihr die höchste Anerkennungfflbst hxx denen, welche den Fortschritt, der denn Geschützweseu aus der Verwendung^Ues solchen Materials erwachsen mag, nicht weiter ins Auge faßten.
In Bezug auf die Haltbarkeit der Geschütze aus Gußstahl haben die im Jähre184g in Berlin angestellten Proben sehr gute Resultate ergeben. Ein dreipfündigesKanonenrohr, das vorn nur 0,75 und hinten 1,25 Zoll Wandstärke hatte, zersprang^st beim 22. Sprengungsversuch bei einer Ladung von 10 Pfund Pulver mit dreiKugeln und einem Heuvorschlag.
Mit Ausnahme von Thüringen und namentlich der Stadt Suhl geschieht die^ufertigung der Handfeuerwaffen im Zollverein nur selten in größeren geschlossenenEtablissements. Im klebrigen findet sie sich über alle Theile des VereiuS zerstreut,und wird meistens als Kleingewerbe oder gar als Handwerk betrieben. Die Gewehr-^ufe für die besseren Privatwaffen werden zu einem großen Theile aus Lüttich bezo-si^u, sogar nach Suhl , wo deren Anfertigung doch ziemlich ausgedehnt ist und durch^Ur gutes Material unterstützt wird.
Die Ausstellung war ein getreuer Nester der geschilderten Verhältnisse, indembon den Ausstellern immer nur einzelne Gewehre oder doch nur eine ganz geringe^uhl eingesandt worden waren, während sich in England, Belgien und Frankreich einzelnen Fabrikanten verhältnißmäßig weit stärker betheiligt hatten. Die Thü-^Ugische Gewehrfabrikatiou war auf der Ausstellung am stärksten vertreten, danebenfanden sich Lurusgewehre aus fast allen Vereinsstaaten. Von Militairwaffenfast nichts zu sehen, namentlich fehlten die Preußischen Gewehre, die überhauptin her Belgischen Abtheilung in Nachahmungen vorhanden waren.
Bedenkt man, wie sehr eine solche Konzentration des Gewerbes, wie sie in Lüitich^ud Birmingham und, was Luruswaffen anbetrifft, auch in Paris und London statt-^det, aus den subjektiven Fortschritt, so wie auf die Billigkeit der Produktion ein-^ffki, fa oerdieneu die Leistungen des Zollvereins, wo das Gewerbe keinen so gün-Buhen hat, um so größere Anerkennung.
^ Als die höchste Leistung in gutem Geschmack uud technischer Ausführung ist ein^"ppelgewehr von Spangeuberg, Sauer und Sturm in Suhl zu bezeichnen,Preise von 615 Rthlr. mit Etui und Zubehör, alle Beschläge in massivem Sil-selbst die Schlosser und der Griff des Kastens. Es konnte sehr wohl mit demerwähnten schönsten Gewehr der Englischen Ausstellung von Deane, Adams'"d Deane auf gleiche Stufe gestellt werden uud wollte man etwa dem Letzteren