Band 
Erster Theil.
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686
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686 VIII. Klasse. Schiffe, Waffen und Ausrüstungsgegenstände.

noch einen kleinen Vorsprung in luxuriöser Ausstattung einräumen, so stand diesermindestens in keinem Verhältniß zu dem Mehrpreis von etwa 250 Rthlr. Auch dieFranzösische Abtheilung hatte zum gleichen Preise nichts schöneres auszuweisen. DieLäufe, vom Aussteller selbst gearbeitet, waren in bronzirtem Banddamast. Nebender reichen Verzierung in eingelegtem Gold und dem prachtvollen Schnitzwerk desKolbens ist insbesondere noch die Gravirung und Ciselirarbeit der Schlösser undAbzugsbügel als das vollendetste hervorzuheben, was in diesen, Genre nur geleistetwerden kann.') Die Gravirarbeit an eiuem von H. Grzybowski in Potsdam ausgestellten Gewehr stand derselben am nächsten. Beide Arbeiten rühren dem Ver-nehmen nach von demselben Künstler her, nämlich von Herrn Werner in Suhl .

C. V. Heinlein in Regensburg hatte das theuerste Gewehr der Deutsche »Abtheilung, nämlich eine Freihand- und Meifterbüchse im Preise von 1200 Gulde»ausgestellt, die von der Form im Allgemeinen bis zu den kleinsten Verzierungen reinim altdeutschen Styl gehalten war. Der ganze blankgehaltene achteckige Lauf warmit Ciselirarbeit bedeckt, welche die Entstehung und Ausbildung der Schießwaffenkundedarstellten, eine äußerst mühevolle und schwierige Arbeit. Der Kolben von Ebenholzwar mit Perlmutter ausgelegt; Kolbenbeschlag und sonstige Garnitur in massivemSilber. Das Schloß war von eigner Konstruktion. Die daran angebrachte Sicher-heit löste sich von selbst aus, nach einem ähnlichen Prinzip, wie wir dies bei mehre-ren Englischen Gewehren gefunden haben, nur mit dem Unterschiede, daß nicht dasUmfassen des Kolbenhalses mit der rechten, sondern die beim Zielen nothwendige Un-terstützung des Schaftes mit der linken Hand zur Auslösung benutzt wurde. Unterden selbstthätigen Sicherheiten möchte diese Konstruktion einen bessern Schutz gegenzufällige Entladungen gewähren, als die seither erwähnten Systeme. Im klebrigenwaren viele der ausgestellten Gewehre mit der sogenannten Drehsicherheit und anderemit dem auch beim Militair vielfach eingeführten Sicherheitsdeckel versehen; dasZurückschlagen derselben ist allerdings etwas umständlich, die Sicherung aber nochweit größer, als bei allen selbstthätigen Vorrichtungen der Art. Beide Vorrichtungenwerden überhaupt in Deutschland fast ausschließlich angewandt, so weit man über-haupt noch Sicherheiten für nöthig erachtet. Ihre Anwendung ist offenbar im Ab-nehmen begriffen, was wir nicht zu tadeln vermögen.

Eine Scheibenbüchse von Dickore in Gießen im Preise von 860 Fl. war in denEinzelheiten sehr kunstvoll gearbeitet, insbesondere im Schnitzwcrk des Schaftes undder Elfenbein-Einlagen.

Eine äußerst geschmackvolle Büchse von Weber und Schultheis in Frank-furt a. M. verdient ebenfalls und insbesondere ihrer gewissenhaften soliden Arbeitin den einzelnen Theilen des Schlosses, so wie ihres verhältnißmäßig billigen Preisesvon 102 Rthlr. halber hervorgehoben zu werden.

Die Spitzkugelbüchse mit Gußstahlrohr von G. und W. Pistor aus Schmal-kalden ist gleichfalls aufs rüymendste hervorzuheben; ihr Preis war mit 50 Rthlr.verhältnißmäßig sehr billig.

Von T. Gehrmann in Berlin waren zwei schön verzierte Zündnadelbüchftnfür Privatgebranch mit Stechschloß, jede im Preise von 68 Rthlr. ausgestellt, unge-fähr von der Konstruktion wie sie in der Preußischen Armee eingeführt sind; es warendies die besten von den wenigen Zündnadelgewehren, welche die Ausstellung über-haupt auswies. Außerdem ist einer feinen Doppelflinte mit gefalzten Lütticher Läu-fen in Türkischem Damast zum Preise von 205 Rthlr. rühmend zu erwähnen.

Von dem rühmlich bekannten L. Teutenberg in Hüsten war eine schön gear-beitete, kurze fiebenlänfige Zündnadelbüchse zu 150 Rthlr. ausgestellt; bei derSchnelligkeit indeß, womit man bei diesem System ladet und schießt, dürfte eine grö-ßere Zahl von Läufen hierbei wenig Bedürfniß sein.