694 VM. Klasse. Schiffe, Waffen und Ausrüstungsgegenstänbe.
Wir können hier zugleich die von Malherbe in Lüttich ausgestellten Zü"^nadelgewehre abhandeln, welche noch einen Schritt weiter in der VereinfachungPreußischen Systems gehen. Hierbei fehlt nämlich das Schlößchen ganz und duNadel mit der Spiralfeder sitzen unmittelbar im Inneren der Kammer. Esalso selbstredend nicht blos das besondere Herausziehen, sondern auch das der AncioMscheu wie der Preußischen Konstruktion gemeinschaftliche Hereindrücken des SchEchens zum Behufe des Spannens weg, und man hat beim Laden blos die Kanmsskzurück- und nach Einlegung der Patrone wieder vorzuschieben. Allerdings ist hierumeine absolute Einfachheit des Ladens erreicht und dennoch erscheint die Einrichtn"!!durchaus unpraktisch. Denn zu den bei der Aucionschen Konstruktion gerügten Mä"'geln tritt hier noch der große Uebelstand hinzu, daß die Operationen des Spannetund des Jnrnhesetzens nicht willkürlich geschehen können, beziehungsweise, daß ^Spannen mit dem Laden zusammenfällt. Denn, sowie geladen und der Versehthergestellt ist, ist auch die Spiralfeder schon gespannt; man hat also blos diezwischen einem ungeladenen oder einem geladenen gespannten Gewehre. Da es übe"gens bei Jagd- wie Militairzwecken unmöglich ist, das Laden stets aufzuschieben b>^unmittelbar vor dem Moment, wo mau den Schuß abgeben will, da fernerTragen einer geladenen urch gespannten Waffe nicht blos gefährlich ist, sondern a»l>>der Spiralfeder sehr bald ihre Kraft nehmen würde, so erscheint die Konstruktiveines in der Kammer verschiebbaren Schlößchens dringendes Bedürfniß, und ka""somit einer Vereinfachung, welche wesentliche Bedingungen, wovon der Gebrauch ^ !
die Haltbarkeit einer Waffe bedingt wird, unerfüllt läßt, eine Bedeutung durchsnicht beigelegt werden.
Von Ancion und Comp. sowohl als von Montigny und Fusnot ^Brüssel waren Jagd- und Militairgewehre ausgestellt, nach einem nach Montig"^benannten Zündnadelsystem, dessen wir in der Kürze noch erwähnen. Hierbei ernstekeine besondere Hülse, sondern die Kammer schiebt sich in einer vierkantig ausgM"berieten nach oben offenen Vertiefung, in welche der Lauf nach hinten endigt. Ueb^dieser Vertiefung liegt ein einarmiger Hebel, dessen Werbepunkt oben auf dem La"'am Ende der Pulverkammer und am Anfang der Vertiefung angebracht ist. 2"seiner normalen Lage schließt er dieselbe nach oben und setzt sich über denKolbenh"^hin fort; am Anfang des Kolbens ist er mittelst eines Sperrhakens befestigt. Bei"'Laden faßt man das Ende des Hebels, wodurch sich zugleich der Sperrhaken zurim'schiebt, und hebt denselben auf. Hierdurch schiebt sich die Kammer, welche dM^Veinen von der Mitte des Hebels ausgehenden Arm mit demselben in Verbind»^steht, um 2 bis 3 Zoll zurück und gestattet so, ähnlich wie beim Zündnadelgewehbdas Einlegen der Patrone in die Pulverkammer. Indem der Hebel wieder innormale Lage zurückgebracht wird, wodurch sich zugleich die in der Kammer best"^liche Spiralfeder zusammendrückt, wirkt er allerdings äußerst kräftig auf einen ftss"Verschluß. Ohne übrigens den geringsten Vorzug vor dem Preußischen Zündnad^gewehr zu haben, und mit allen Nachtheilen, die sich bei der Malherbeschenstruktion herausstellen, ist dieses System überdies weit weniger bequem für das E"''schieben der Patrone, und dabei weit schwieriger zu putzen oder vorkommendenzu repariren. Auch ist es keineswegs neu, da die sogenannte Gronausche Buch!ganz ähnlich konstruirt war. Auf größere Verbreitung hat dieses Gewehr sichertnicht zu rechnen. Auch die Montignyschen Patronen sind, nach dem, was uns demüber mitgetheilt worden, äußerst mangelhaft. Der Spiegel mit der Zündmaffe ssnämlich hierbei nicht zwischen Pulver und Kugel, sondern unter dem Pulver liege"'wird also durch die Erplvfion nicht (wie beim Preußischen Zündnadelgewehr) mit deKugel durch die Mündung des Rohrs, sondern rückwärts nach der Kammer gesch^"'dert, was die Nadel verdirbt und nöthig macht, den Spiegel besonders heraus inehmen. Das von Ancion und Comp. ausgestellte Eremplar einer Montignysch^