702 VIll. Klaffe. Schiffe, Waffen und Ausrüstungsgegenstände.
laffene große Silberplatte, worauf in goldenen Hautreliefs ein Jagdstück dargestelltwar. Unter seinen übrigen Meisterwerken zeichneten sich auch zwei Türkische Stein-schloß-Pistolen aus, Schloß und Lauf in höchster Stahlpolitur, Kolben nebst ganzemSchaft und breiten Mundringen von getriebenem Silber mit vergoldeten perlenartigenVerzierungen. Der Preis für das Paar war nur 900 Frcs. und im Verhältnißhierzu vielleicht keine Waffe in der Ausstellung, welche einen gleichen Eindruck allstAuge machte. Ueberhaupt zeichnete sich die Ausstellung von Caron ganz besondersdurch eine feine Berechnung aus, jeden Theil der durch kunstvolle, mühsame Bear-beitung oder Kostbarkeit des verwandten Materials bemerkenswerth war, auch tuaugenfälliger Weise hervortreten zu lassen, ein Bestreben, das überhaupt die Fran-zösische Lurus-Jndustrie charakterifirt.
Das Letztgesägte kann namentlich auch von den Arbeiten von F. Berger ausSt. Etienne gesagt werden, welcher als ebenbürtiger Konkurrent der Pariser Massen-fabrikation auftrat. Unter seinen Prachtgewehren zeichneten sich namentlich zwei inPreisen von 4000 und 1200 Frcs. durch einen eigenthümlichen Styl der Ornamentikaus. Ein Theil der Läufe, Schlösser u. s. w. zeigte die höchste Stahlpolitur,während auf anderen Theilen, z. B. dem Pulversack des Rohrs, den Hähnen u. s. w>,Zeichnungen in stark hervortretenden, fein Polirten Stahlrippen ausgeführt waren,welche aus einem matt goldenem Grunde wunderschön hervortraten und einen äußerstgefälligen Eindruck machten. Das theuerste der erwähnten Gewehre hatte Schloß-kasten aus massivem Silber; die Schlösser selbst waren nicht mit Schrauben befestigstsondern lagen in Charnieren. Uebrigens muß von den beiden zuletzt erwähntenMeistern bemerkt werden, daß sie die Rücksicht auf ein blendendes Aeußere inhöherem Grade den Rücksichten auf die praktische Benutzung ihrer Waffen vorange-stellt hatten, als irgend ein anderer Aussteller und daß es wohl bei keinen Gewehre»schwieriger sein würde, sie unter dem Einfluß des Gebrauchs und der Witterung be>ihrem ursprünglichen Ansehen zu erhalten.
Bei der Ausstellung von Lefaucheur aus Paris haben wir einer Einrichtung Zäerwähnen, die sich auch bei mehreren Gewehren von Bertonnet, von I. Duclos,von le Page, von Beringer und von Caron fand und von der hiernach angenom-men werden darf, daß sie in Frankreich in ziemlich ausgedehnter Weise in An-wendung ist. Es betrifft dies das Laden der Gewehre von hinten, nach einer Mesthode, die von.Lefaucheur im Jahr 1832 erfunden wurde. Das Rohr ist hierbeiunten mit einem am Ende des Vorderschafts befestigten Charnier versehen und kannnach Wegschiebung eines Hebels aufgeklappt werden, so daß es etwa mit seinembisherigen Auslegen im Norderschaft einen halben rechten Winkel bildet, in welcheLage sich die Patrone bequem einbringen läßt. Das Rohr wird hierauf wieder indie richtige Lage gebracht und der Hebel beigezogen. Ein offenbarer Fehler dieftrKonstruktion liegt in dem unvollkommenen Verschluß, der einzig durch das Andrückendes Laufs gegen die platte im Schaft befestigte Scheibe bewirkt wird und der unnwg^lich lange dicht bleiben kann. Noch weniger konnte der Verschluß bei denLefauchenrschen Pistolen genügen, die nur durch eine Achsendrehung des Laufes »Meinen unter demselben angebrachten Zapfen statt findet, wodurch er seitwärts von derScheibe weg und (nach Einbringung der Patrone) wieder vor dieselbe gebracht wird,wo also nicht einmal ein Druck des Laufendes gegen die Scheibe ausgeübt wird,wie dies bei der vorerwähnten Konstruktion durch schiefe Flächen an dem schließende»Hebel stattfindet.
Die Patronen zu solchen Lefauchenrschen Gewehren enthalten unten im Pulver-raum ein Zündhütchen. Auf diesem Hütchen ruht ein Stift, der durch die Patronenach oben hinausreicht; der Lauf hat einen Einschnitt, in den der Stift dergestnüPaßt, daß er ungefähr 2'" über der oberen Fläche des Laufes und der Scheibe her-