Band 
Erster Theil.
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704
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704 VIII. Klasse. Schiffe, Waffen und Ausrüstungsgegenstände.

expansiven Geschosse, so wie der nach der Mündung zu an Tiefe abnehmenden Zug"gar keinen Sinn mehr behalten, sobald sie mit einem Einlegen der Patrone vonhinten in Zusammenhang gebracht wird.

Zu erwähnen ist noch, daß die ausgestellten Büchsen namentlich von Lepagr-Montier, meistens nach Thouveninschen System für Spitzkugeln eingerichtet waren.Ueberhaupt mußte auffallen, daß die Franzosen die Methode, von hinten zu laden,fast ausschließlich bei Jagdgewehren mit glatten Läufen zur Anwendung zu bringenbemüht sind, während man in Deutschland umgekehrt das gewöhnliche Perkussion^gewehr zu solchen Zwecken beibehält und nur bei Büchsen und überhaupt bei Kugel'gewehren jene Lademethode einführt. Daß hierbei der Vortheil ungleich größer ist'liegt auf der Hand; für Jagdzwecke kann das gewöhnliche Perkusstonsgewehr weileher als genügend angesehen werden.

Eine einläufige Flinte mit glattem Lauf im Preis von 300 Frcs. war das ein-zige Zündnadelgewehr nach Preußischem System, welches sich in der Französische "Abtheilung vorfand. Es war von B. Bering er aus Paris ausgestellt. Die Aus-führung schien nicht übel, nur war der Verschluß dadurch mangelhaft, daß der Hebelsich nicht an einer schiefen Ebene drehte. Der Lauf war nicht gezogen, wiewohl i»der Pulverkammer um etwa 1 Strich weiter, um die Schrot- oder Kugelpatronenbequem einlegen zu können. Bei dieser Gelegenheit mag bemerkt werden, daß nw"nicht blos bei Französischen, sondern auch bei Englischen und Belgischen Waffen-sabrikanten vielfach mit großer Bestimmtheit die irrige Meinung aussprechen hörte-„das Zündnadelgewehr habe sich in Preußen nicht bewährt und man sei dort im Begriff-es wieder abzuschaffen." Die vereinzelten Erscheinungen fremder Zündnadelgewehr"auf der Ausstellung zeigen in der That ganz richtig die geringe Verbreitung an,welche dieses System bis jetzt im Auslande gefunden und beweisen, daß Vorurteiloder mangelhafte Kenntniß zur Zeit noch davon zurückhalten, den Fortschritt in die-ser Richtung zu erstreben.

Sehr rühmend sind die Leistungen von Ronchard Scauve in St. Etienillin der Anfertigung von Läufen hervorzuheben. Ein ausgestellter Doppellauf bildeteeine förmliche Musterkarte von nicht weniger als 15 Damastarten, die zum Theilwenigstens in Regelmäßigkeit und Feinheit der Zeichnungen dem Lütticher Damastgleich kamen. Die außerordentliche Kunst des Rohrschmiedes zeigte ssich hierbei vof-nämlich in dem Umstände, daß die einzelnen Damastmuster auf beiden Rohren wüauf der Schiene von übereinstimmender Länge waren. Offenbar hat Frankreich >"dieser Fabrikation in letzterer Zeit raschere Fortschritte gemacht als Deutschland , u»bnamentlich zeichnen sich Paris und St. EtieNne dabei aus; die Thüringschen Ba»d-und Blumendamaste werden hier weit übertreffen und die Einfuhr der feinere"damascirten Läufe aus Lüttich nach Frankreich nimmt, wie obige Einfuhrnachwei^darthun, immer mehr ab, während dies in Bezug auf Deutschland weit weniger be-merklich ist. St. Etienne ist sonst mehr der Sitz der Fabrikation von gewöhnliche"Handels - und Privatwaffen, während Paris ausschließlich Luruswaffen liefert.

Auch bei den Arbeiten von L. Bernard in Paffy, dem bedeutendsten undrenommirtesten der Pariser Fabrikanten von damascirten Flinten- und Pistolenläufs"'so wie überhaupt bei fast sämmtlichen Lurusgewehren, war der erwähnte Fortschr"llunverkennbar und es steht demnach zu erwarten, daß Französische Geschicklichkeit i"schöner, wenn auch nicht in wohlfeiler Darstellung die Lütticher Damaste bald voll-ständig erreichen wird, deren Anfertigung einen so weiten Spielraum für Entfaltu"§eines ausgesuchten Geschmackes darbietet.

Der Pariser Damast wird in der Regel so hergestellt, daß man Bündel, in derü"dünne Stahl- und Eisenplatinen abwechseln, zusammenschweißt und ausstreckt, u»zwar so, daß die Schweißnähte auf die stäche Seite des Bandes fallen, woraus durchUmwickelung eines Dorns der Lauf hergestellt wird.