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XXII. Klasse. Mctallwaarcn.
2. Bayern. Die von F. Müller in München unter Nr. 90ausgestellten vortrefflichen Bronzegüsse, die Statuen Georg's III. vonBöhmen und der Libussa , ferner ein kolossaler Löwe sind unbestreitbardas Verdienstvollste, was die allgemeine Ausstellung an Statuengüssen ent-hält. Der Löwe 15 Fuß lang und 9 Fuß boch, dessen Gewicht zu80 Baycrschcn Ccntnern angegeben wird, wurde nach einem Gypsmodcllin Masse geformt und mit einem anderen Löwen von gleichem Gewichtgleichzeitig gegossen. Der geschickte Meister hat dabei den Beweis geliefert,daß kolossale Dimensionen ihm bei Ausführung seiner Güsse kein Hinder-niß sind. Ueber das Ganze in dem Zustande, wie es aus der Gußfvrmkam, ausgestellte Kunstwerk ist eine durchaus gleiche, sehr angenehme Mc-tallsarbe ausgegasten, nirgends sind Spuren angebrannter Formmassc,Gruben oder sonstige Gußfchlcr zu finden und nur ein Fuß, der Schweifund der Unterkiefer sind angesetzt. Dadurch beurkundet sich eine eben sohöbe Meisterschaft in der Behandlung des Formens, wie in der Führungdes Schmelz- und GußprozcsseS. — Die benannten beiden KöniglichenStatuen sind in einer eigenthümlichen Manier ciselirt, um die störendenGlanzlichter, welche sonst bei der Eiselirung zum Vorschein kommen, zuvermeiden und damit die künstliche Patinirung entbehrlich zu mache»,welche die allmälige Entstehung der natürlichen Patina verhindert unddoch dieselbe kcinesweges ersetzt. Die Statuen machen dadurch, so wiedurch die angenehme Färbung, die das Metall hat, einen sehr gefälligenEindruck. Eine Zusammensetzung der Statue der Libussa konnten wirnicht entdecken; beim König Georg ist sie sehr gut maskirt.
Die Jury hat dem verdienten Meister, aus dessen Werkstücke bekanntlich auch die riesige Bavaria tadellos hervorging, die große Ver-dienstmedaille zuerkannt.
Wir haben bereits der von Simonet und Sühne in Paris ge-gossenen unter Nr. 56 im westlichen Hauptgange ausgestellten kolossalenBronzestatue des HerzogS von Rutland gedacht, deren Guß wir alstadellos bezeichnen müssen. Sie hat allerdings die Nachhülfe des Meißelserfahren und ist braun orydirt worden. Ihre Höhe beträgt aber etwa10 Fuß, so daß sie schon unter die mit besonderen Schwierigkeiten her-zustellenden größeren Werke dcS Statuengusscs zu rechnen ist. Der Gießerhat sich dieselbe dadurch sehr vermindert, daß er die Statue aus mehrerenStücken zusammengesetzt hat.
AuS der Gießerei von M. E. Q-uesnel, aus Paris , war einevon dc Bay modellirtc Gruppe, benannt: „der Tod deS Hirsches " inBronze gegossen, im östlichen Hauptgange ausgestellt, welcher unterden Französischen Statuengüssen der erste Rang gebührt. Die Figurensind in Lebensgröße; sowohl der Jäger, der den Hirsch an den Geweihengefaßt hat und zu Boden drückt, als der Hirsch selbst scheinen aus einem