tz. 55. Kommunion- und Kirchengeräthe. 197
Unter den zehn verschiedenen Ausstellern von Kirchengeräthe» in der EnglischenAbtheilung nennen wir zuerst, des Verdienstes und der Reichhaltigkeit der Ausstellungwegen, John Hardman »nd Evnip. aus Birmingham , welcher, von dem ausge-zeichneten Architekten Pngin unterstützt, den ganzen sogenannten Mcdiaeval Eonrtmit den verschiedenartigste» kirchlichen Gegenständen in Metall, Stein, Glas undMalerei füllte. Seine Kronleuchter, Kandelaber und Lesepulte in Bronze (leeterns),sein Altargcräth in Silber und Vermillion, seine Bischofsstäbe, Leuchter und dcrgl.in Email zeigten sämmtlich eine geistreiche Auffassung und gewisse Nachbilvung desEharakteristischen des Alterthums. Die Jury schlug deshalb Herrn Hardmanfür die große Nerdienstmedaillc vor.
Eine zweite Medaille erhielt I. Keith (London ) für Kommuniongefäße immittelalterlichen Styl, die gleichfalls mit Geschmack geformt und gut gravirt undemailirt waren. Besonders zeichneten sich die mit ausgestellten Kelche und Kannendurch reine architektonische Formen, durch eine edle Einfachheit und weise Sparsam-keit in der Ornamentirung und durch saubre Arbeit des Emails aus. Die Patencn,mit eingcschnittnen Kompositionen nach Fiesolc, waren zwar nicht so vollendet, alsder Gegenstand eigentlich erforderte, aber dennoch nicht ohne Verdienst. Noch zeich-neten sich zwei Kirchenlcnchtcr, mit Blüthen von Edelsteinen verziert, durch ihre ori-ginelle Erfindung aus. Die Steine waren durchgängig mit Geschmack angebrachtund gut gefaßt.
Unter den Ausstellungen von Garrard und Eonip., Hunt »nd Roskellund Ellington fanden sich »och einige hierher gehörige Kirchengeräthe vor, diejedoch den vorstehend erwähnten nicht gleichkamen, und diese Häuser haben deshalbdie ihnen ertheilten Prcismedaillen nicht den Artikeln dieses Zweiges zn verdanken.
Die von den Staaten des Zollvereins ausgestellten Kirchengeräthe find von ge-ringer Bedeutung. Sie sind weder originell, noch gewählt in den Formen, noch inder Arbeit befriedigend. Alles, was davon ncunenswcrth ist, beschränkt sich auf einesilberne Lampe aus Heilbron», einige Kelche von Bruckmann und Söhne inHeilbronn und ein Thurm in Filigran von Meyer Löwenson aus Tilsit.
Woher konnut diese Armuth, muß man fragen, bei den trefflichen Vorbildernder Präger, Nürnberger und Nugsburgcr Vorfahren? Ist dies ein Zeichen, daßim nördlichen Deutschland kein Künstler mehr eigenes Streben zu befriedigen habeoder daß bei der allgemein übcrhand nehmenden Gleichgültigkeit für religiösen Kultusbei der Anschaffung des unumgänglich Nothwendigen nur auf Billigkeit gesehen wird?Schließt die dadurch bedingte Einfachheit aber die Schönheit der Form aus? Esist dies um so bemerkenswerther, als in unserer Zeit für Artikel des Lurus die reich-sten Stoffe verwendet und die Hülfe der Knust in hohem Maße in Anspruch ge-nommen zu werden pflegt.
Wenn Frankreich nur durch einen einzigen Aussteller, Poussiclgue und An-fand (Paris ), ausschließlich für Kirchengeräthe, vertreten war, so gab doch dieSammlung desselben dafür durch ihre große Reichhaltigkeit Ersatz. Was Hardmanund Eonip. für England, ist Ponssi eigne und Rnsand für Frankreich , indemsie Beide dieselben Gegenstände in reichster Mannigfaltigkeit darbieten. Ihre Aus-stellung schien beim ersten flüchtigen Nebcrblick hauptsächlich aus Erzeugnissen desMetallgusses zu bestehen, allein bei genauerer Untersuchung fand man darunter auchvorzügliche Gegenstände in getriebener Arbeit, Email, Edelsteinen, Silber und Ver-meil und endlich in Kupfer und Ormclu. Bemerkenswerth war unter Andern, dieArbeit an einem Erzbischossstabe, dessen silberner Obcrtheil sich durch zarte Arbeitendes Eiscllo und der Emailirkunst auszeichnete, und ferner der große Religuicnkasten,