Band 
Dritter und letzter Theil.
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XXIII. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.

am besten für Silberarbeit eignet und der seitdem auch für dieselbe nur zuallgemein angewendet worden ist. Das damit eng verbundene Roccoco,die vollständigste Entartung und Verwilderung der unter Louis XIV. festgestellten Prinzipe, hat sich glücklicherweise in die Rumpelkammer derAntiquare flüchten müssen, »voraus seine mißgeformtcn Produkte nur dannund wann von einem ganz verdorbenen Geschmacke hervorgezogen werden.Mit Louis XVI. trat eine Reinigung der Sitten wie des Geschmackesein und die Kaiserzeit brachte klassische Formen wieder mehr und mehr inAufnahme, wahrend man sich in Deutschland unter Schinkel's und Bcuth'sEinfluß dem reinsten Geschmacke ebenfalls immer mehr wieder zuwendete.

Abschnitt I.

Erzeugnisse der (bold- und Silberschmicdekunst.

8 . 55 .

Kommunion- und Kirchengeräthe, als: Monstranzen,Kelche, Patenen, Haus- und Reisealtäre, Reliquienkästen rc.

Wenn der Süden Europa's seine Erzeugnisse dieser Gattung hätteeinsenden wollen, so würde uns die Auswahl und Beurtheilung nichtleicht geworden sein; so aber hatte Spanien und Frankreich jedes nur eine,ausschließlich Kirchengeräth umfassende Ausstellung, Italien und Portugal aber keine geliefert. Hingegen hatte auf der andern Seite England, viel-leicht durch ein gesteigertes Bedürfniß angespornt, eine Reihe von Kirchcn-gcräthcn ausgestellt, durch welche diese Abtheilung nicht unwürdig ver-treten wurde.

In den hierher gehörigen Produktionen der verschiedenen Völkertreffen wir durchgängig ein Bestreben, die Formen der alten, oft ältestenchristlichen Kunstcpochen nachzuahmen, ein Gebrauch, dem wir unsere Zu-stimmung nicht versagen können, da es in der Natur des Menschen liegt,in Dingen des Glaubens an dem Alten, dem Herkömmlichen zu hängen,eine Vorliebe, die sich selbst auf das beim Kultus gebrauchte Geräth er-streckt. Es ist ferner natürlich, daß der Charakter von Gegenständen desGottesdienstes ein ernster sein muß, und wir finden das Gepräge des-selben deutlicher in den Formen des Mittelaltcrs ausgedrückt, als in denender klassischen Periode oder in den nicht weniger profanen Formen dessechzehnten Jahrhunderts.

Dazu kommt, daß die Formen der Gcräthc der altchristlichen Zeitmeist von eigenthümlicher Schönheit sind und für eine Mannigfaltigkeitvon Verzierungen im ernsten Style vollen Spielraum gewähren.