202 XXUI. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.
des reinsten Kupfers, 3 Unzen Blei. Das Silber und Kupfer wird ineinem Schmelztiegel bei heftigem Kohlenfeuer geschmolzen und dann dasBlei zugesetzt. Ist dies geschehen, so entfernt man den Schmelztiegel so-fort vom Feuer und rührt die flüssige Masse mit einem Stück Kohle um,indem man zugleich Sorge trägt, den durch den Bleizusatz entstehendenSchaum zu entfernen. Inzwischen füllt man ein neues irdenes Gefäßvon 4 bis 5 Zoll Durchmesser, mit engem (einen Zoll Durchmesser hal-tenden) Halse, zur Hälfte mit gestoßenem Schwefel (von so dunkler Farbe,als man ihn bekommen kann), gießt das flüssige Metall bincin, deckt dasGefäß schnell zu und schüttelt so lange, bis die Masse ganz erkaltet ist.Man zerbricht sodann das Gefäß und nimmt den Inhalt heraus.
Theophilus schreibt vor, gleiche Theile von Silber, Kupfer und Bleizu nehmen und die Mischung in Schwefel und zerstoßene Kohle zu schütten.
Die erhaltene Masse stoßt man nun vorsichtig in einem Mörser solange, bis die einzelnen Stückchen so klein als Hirsekörner geworden undschmilzt sie aufs Neue, indem man oben glühende Kohlen darüber legt.Diese Operation des Stoßens und Schmelzens muß zwei bis dreimalwiederholt werden, bis das Korn im Bruche einen gleichmäßigen Glanzzeigt. Der nunmehr fertige Niello wird aufs Neue klein gestoßen undunter einer Glasglocke oder in Federkielen zum Gebrauch aufbewabrt.
Die gravirte Silberplatte wird sodann auf oder an einem eisernenWerkzeuge befestigt und so lange an das Feuer gehalten, als die Handdie Hitze aushalten kann. Dann wird die Niellomasse, mit etwas Borarvermischt, auf die gravirte Seite gestreut, über gelindem Kohlenfeuer ge-schmolzen und, wäbrend sie fließend ist, mit einem eisernen Drahte umge-rührt. Bei dieser Operation bat man sich sehr zu büten, nicht zu vielHitze anzuwenden, indem außerdem die Arbeit stumpf und weich ausfal-len, auch die Silbcrplatte ein störendes Farbcnspiel annebmen würde.
Nachdem die Platte erkaltet, nimmt man mit einer Feile das Gröbstevon der Oberfläche weg, jedoch nicht so viel, daß sich der Schnitt zeigt,erwärmt sie noch einmal bis zu dem Grade, als man es mit den Fingernausbalten kann, und drückt dann vermittelst eines mit etwas Oel benetz-ten Polirstahles die ganze Fläche sorgfältig nieder, um alle etwa ausge-bliebenen Stellen nachzuholen.
Um die Arbeit zu vollenden, hat man nun nichts weiter zu thun,als vermittelst eines Schabeisens den Niello bis auf die Zeichnung ab-zuschaben und mit einem dünnen Rohre, auf dessen Durchschnitt feinerTripel und Kohlenpulver gebracht wird, oder auch mit einem Stück Lin-denkohle so lange zu schleifen, bis sich die Zeichnung schön und rein aufdem blanken Silber zeigt.
') Die Lethe besteht aus 6 Karat feinem Golde und l^ Silber und Kupfer.Erst schmilzt man das Gold, dann fügt man das Silber hinzu, zuletzt das Kupfer.
0 Vergleiche hiermit einen Aufsatz von Beuth in den Verhandlungen desBerliner Gewerbevereins 1825 S. 113.