Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 56. Einleitung zu Corpus-Arbeiten. 201

welche mehr Widerstand leisten oder eine gewisse Schwere haben müssen.Sie kosten etwas mehr Metall, aber viel weniger Faeon.

Noch eine andere Erleichterung findet statt bei Theilen, wo eine sehrmühsame Arbeit sich mehrmals zu wiederholen hat. Es wird dann einModell gemacht und darüber eine Form in Eisenguß verfertigt, auf wel-cher die Mctallplattc dann mit leichter Mühe ausgcschlagen werden kann.

Gepreßte Arbeiten werden von sehr fleißig geschnittenen konkavenStahlformen erhalten. Die Metallplatte wird zu diesem Behufe auf dieForm gelegt und eine ungeheure Last von Blei darauf niedergelassen, wo-durch ein scharfer, völlig vollendeter Abdruck, der keiner Ciselirung bedarf,hervorgebracht wird.

Die Niellirkunst2), d. h. die Kunst, in Silber gravirte Verzie-rungen und Zeichnungen mit einer schwarzen Masse (Xchollum» auszu-füllen, war den Alten nicht unbekannt. ThcophiluS, der im 12tcn Jahr-hundert lebte, spricht von derselben als von einer den Goldschmieden sei-ner Zeit vollständig bekannten Sache, und wir besitzen noch beute einegroße Anzahl aus dieser frühen Zeit hcrrübrender reich verzierter Kirchen-gcräthe, als: Kelche, Ncliguicnkästchen u. s. w., bei denen diese Kunst inAnwendung gebracht worden ist. Die größte Blüthe und allgemeinsteAnwendung derselben fällt jedoch in das 15tc Jahrhundert. Die vor-züglichsten Künstler der damaligen Zeit benutzten sie zur Verzierung vonnamentlich für profane Zwecke bestimmten Gerüchen, und ihr größter Mei-ster Maso Finiguerra machte durch sie zufällig die Erfindung des Abdrucksvon gravirten Platten, worauf der Stich für den Druck unmittelbar folgte(1452). Seit dieser Zeit datirt sich jedoch auch der Verfall der Niellir-kunst, sie kam sehr bald fast ganz außer Anwendung und in neuerer Zeitwird sie fast nur noch in Rußland ausgeübt und beinahe lediglich zurVerzierung von Gcrätbcn für profane Zwecke, als: Dosen, Mcsserheftenu. s. w., benutzt.

Der in allen Zweigen seiner Kunst so ausgezeichnete Meister Bcn-venuto Eellini hat auch in der Niellirkuust Vorzügliches geleistet, und ihm,so wie dem oben erwähnten Theopbilus, verdanken wir eine Beschreibungdes zu seiner Zeit dabei beobachteten VcrfabrenS, das von dem im 12tenJahrbundcrt üblichen nur in unwesentlichen Punkten abweicht und dasauch in der Gegenwart noch befolgt wird. Dasselbe besteht im Wesent-lichen in Folgendem: Auf eine völlig glatt geschliffene Silberplatte wirddie dafür bestimmte Zeichnung auf irgend eine Art aufgetragen und ganzin derselben Weise, wie bei einer zum Kupferstich bestimmten Platte, mitdem Grabstichel Angeschnitten, nur daß natürlich die Zeichnung nicht, wiebeim Kupferstich, verkehrt dargestellt wird. Die gravirte Platte wird dannin einer starken Lauge ausgekocht, um sie von aller anhangenden Fettigkeitzu reinigen, und so für das eigentliche sogenannten Niclliren vorbereitet.

Der Niello selbst besteht aus: 1 Unze feinem Silber, 2 Unzen