204 XXlll. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.
Die vier Haupt-Basreliefs, welche den äußersten Kreis bilden und deshalb diegrößten sind, stellen folgende Secuen vor:
1. den Einzug Ehristi in Jerusalem ; ,
2. den Verrath Judas', die Grablegung nnd Auferstehung Ehristi;
3. die AnSgicßuug des heiligen Geistes, die NnSsendung der Apostel und dieGründung der Kirche;
4. die Geburt des Prinzen von Wales nnd die Ankunft des Königs von Preußenmit Gefolge in England, bewillkommnet von Prinz Albert, dem Herzog von Welling-ton, St, Georg und eine Personißzirung der Themse ,
Die Inschrift des Schildes lautet:
b'reüeiicus liuilolnius, Itex I)o> »ssoi'iim Xllweto Liluaiüo, kiiuciziiVValllro, in ülemoriain rlioi Dopt. XXV, 3an, I, ÜlUbOkXI-II,
Dieser Arbeit, in welcher die ausgezeichnetsten Künstler der verschiedenen Kunst-zweige den Hauptgedanken Sr, Majestät des Königs von Preußen so vortrefflich auf-gefaßt und verkörpert hatte», wurde in der XXIII, sowohl, als auch in der XXX, Klaffeeinstimmig die große Verdienst-Medaille zuerkannt.
An dieses Werk schließt sich würdig der von Johann Wagner und Sohn,(Berlin ) ausgestellte Tafelaufsatz iu orydirtcu, Silber, Derselbe hat die Form einesschalcnähnlichen Gefäßes, anf welchem theils in völlig erhabener, theils in Relief-arbeit sinnig und kunstreich die Kulturstufen der iiielisck'liche» Bildung und der Siegüber sich selbst vorgestellt sind. Das Gefäß selbst, !1U Pfund Silber und 4z Fußhoch, läßt sich in drei Hanptabtheilungen betrachte».
Auf den, von Löwe» getragenen Fuße sitze» au einen, Eichslamme drei Figuren,welche durch ihre Attribute den Naturzustand der ersten menschlichen Gesellschaft alsRepräsentanten des Fischer-, Jagd- und HirtcnlebcnS versinnbildlichen. Ueber dieserGruppe erheben sich drei weibliche stehende Figuren, welche die zweite Stufe dermenschlichen Entwickelung, Feloban, Gartenbau und Weinbau, darstellen, Sie trageneine große Schale, deren reicher Fries durch unzählige Kindcrgrnppcu Wissenschaften,Künste, Handel und sonstige Zweige der Betriebsamkeit des vorgeschrittenere» Kultur-znstaudes vor Augen führt. Der dritte Haupttheil besteht aus einem aus der Mitteder Schale sich erhebenden Pal,»baun,, auf dessen Krone eine dcu Geist der Civili-sation (Genius des Lichts) darstellende Figur schwebt, die mit der Linken eine doppcl-köpfige Schlange erwürgt nnd mit der Rechten eine Fackel gen Himmel schwingt.
Das ganze Werk, mit Ausnahme des Frieses der Schale, ist aus Silber ge-gossen nnd ciselirt. Die Idee, welche dem Künstler vorgeschwebt, ist ganz seineeigene, in der Ausführung der Modelle hat derselbe sich jedoch fremder Hülfebedient; so sind die drei weiblichen Figuren und der Genius der Civilisation von,Professor Fischer, die getriebene Arbeit aus der Schale aber, der Fries nämlich,der noch unvollendet, ist von H, Albert Wagner jun, selbst gearbeitet.
Die Jury mußte in diesem Werke einen schönen Styl und edlen Charakter inder Durchführung, sowie eine vortreffliche Ciselirnng und eine gute Wirkung desGanzen rühmend anerkennen, und dies, sowie der allgemeine Beifall, den das ganzeKunstwerk gefunden, bestimmte sie, für den Künstler die große Verdienst»,cdaille inVorschlag zu bringen. Wenn an dem Werke, dessen technische Ausführn,ig nichtszu wünschen übrig läßt, etwas zu tadeln bleibt, so ist es Folgendes: Es fällt unan-genehm auf, daß die untersten Figuren die kleinsten sind, »nv von den weiter obenangebrachten an Größe übertreffen werde», wodurch das eintritt, was der Engländer„tnp-Iwav)-" nennt. Ferner ist es in künstlerischer Beziehung nicht Wohl zulässig, nndnamentlich den auch bei einen, derartigen Kunstwerke nicht ganz aus den Augen zusetzenden architektonischen Prinzipien zuwider, daß das eine Stück, welches dem Gan-zen den Halt geben soll, unten aus einem Eichstamme, darüber aus einer Säule undendlich oben aus einem Palmbaunie, auf welchem der Genius steht, zusammengesetzt