§. 58. Ocsterrcichische und Italienische Corpus-Arbeiten. 205
ist. Endlich aber muß man eine Schlange, so lange sie noch Leben hat, anders anfassen, als dies von dem Genius geschieht, sonst kann sie noch tödtlich ver-wunden.
Die Arbeiten des Herrn Weißhanpt und Söhne aus Hanau gehören ebensowohl hierher, als unter die Emailarbeiten, wir wollen sie jedoch hier spezieller aus-führen. Die Hauptarbeit derselben ist ein sehr künstlich gearbeitetes, reich mit Edel-steinen und Email verziertes Schachspiel nebst dazu gehörigem Brett. Die Figurenstellten die Höfe Karl V. und Margaretha von Parma einerseits, und Franz l. undMargaretha von Valois andererseits dar. Die der damaligen Zeit «»gehörigen Ko-stüme sind ziemlich treu beachtet und das Ganze hübsch ausgeführt; nur fällt dieKleinheit der die Rochen darstellenden Elephanten unangenehm auf. Von noch rei-cherer und schwierigerer Arbeit ist das ganz von Silber und theilweise mit Vergol-dung und trefflichen Emailarbeiten verzierte Schachbrett. An den vier Ecken sindMeerjungfrauen (Syrencn) angebracht, von deren Schultern reich mit Rubinen undPerlen verzierte Blumengewinde herabhängen, die in der Mitte jeder Seite von einemEros gestützt werden, welcher auf einer Schildkröte steht. Auf den Ranken ruhenReiher von Email, und darüber sind Amorettenköpfchen angebracht.
Eine andere Arbeit des nämlichen Ausstellers ist ein Kästchen mit musikalischemSpielwerk im Geschmack des lä. Jahrhunderts. Die Ecken sind mit kleinen aberganz vortrefflich gearbeiteten Figuren in orydirtem Silber verziert. Aus der Mitteerhebt sich ein Koraltenstamm, an dem zwei Tritonenkinder spielen. Einige dabeiangebrachte Insekten, Grashalmen, Wellen und dergl. wären, als kleinliche Spielerei,besser weggeblieben.
Der gute Geschmack und die kunstvolle Arbeit, die an beiden Werken, namentlichaber dem ersteren wahrzunehmen waren, veranlaßte die Jury, die Verfertiger, HerrenWcißhaupt und Söhne, für die große Verdienstmedaille vorzuschlagen.
Strube und Söhne, Leipzig , hatten eine sehr elegante und kunstreiche Ar-beit, ein Blumenbouguet in Silber gearbeitet, ausgestellt. So sehr wir auchgegen eine allzu materielle Auffassung der Natur sind, so können wir doch nicht um-hin, die große Leichtigkeit zu bewundern, mit welcher diese Blumen gearbeitet sind.Ebenso war die Base von Silber in getriebener Arbeit und mit Nelken verziert, inder Hanptsorm schön, und nur der doppelte Fuß wie der oberste Rand nicht glücklich.Die Aussteller erhielten für diese verdienstliche Arbeit die Preismedaille.
F. A. Jacobs aus Braunschweig hatte einen silbernen Jagdpokal, getrieben undciselirt, eingesandt.
Von Albert Gröber aus Riedlingen, Württemberg , war eine Fruchtplatte ingetriebener Arbeit ausgestellt.
Die getriebenen Arbeite» von Franz Zeiler aus München waren mit vielGeschick gearbeitet. Dieselben stellen zwei Schlachtscenen, die Bestürmung von Bel-grad und den Sieg der Bayer» unter Churfürst Marimilian Emanucl über dieTücken dar, und es muß keine geringen Schwierigkeiten geboten habe», eine Mengeso kleiner Figuren deutlich von einander abzusetzen. Auch eine von demselben aus-gestellte, 18 Zoll im Durchmesser haltende Fruchtschale war gut getrieben.
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Oesterreichische und Italienische Corpus-Arbeiten.
Auch in dieser Abtheilung fehlen uns aus Oesterreich die Arbeiten der größerenHäuser. Nur H. Ratzersdorfer aus Wien hatte einen mit großem Geschick ge-triebenen Teilettrahmen im Renaissance-Style eingesandt, wofür er die Preis-medaille erhielt.