Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
236
JPEG-Download
 

236

XXIII. Klasse. Arbeiten in edlen Metallen.

8 - 70 .

Vergoldete Bronze.

1. Frankreich .

So wie sich England für die Sheffield - und galvanoplastischen Arbeiten vorallen andern Ländern hervorthut, so ist Frankreich und namentlich Paris von jeherder Sitz der künstlichen Bronzearbeiten gewesen. Deshalb hat sich auch diese Stadtdurch eine reiche Ausstellung ausgezeichnet und mehrere der Fabrikanten haben diePreismedaillc erhalten, während die Arbeiten des Herrn Vgttoz nicht zu gering ge-achtet wurden, um den Künstler für die große Verdienst-Medaille vorzuschlagen. AuchHr. Paillard war für seine sehr verdienstvollen Arbeiten, in denen er ein richtigesGefühl für das Schöne und sehr gute Zeichnung entwickelt hatte, für die großeVerdienst-Medaille vorgeschlagen, ein Vorschlag, dem das kauncil ok kkairmen jedochseine Zustimmung versagte.

Die Bronzearbeiten in Frankreich zerfallen in drei verschiedene Klaffen: 1. denGuß großer Werke: Statuen u. s. w.; 2. die Verfertigung von lironces ä'art, wohinbesonders auch die durch Maschine verjüngten Statuetten der Herren CollaS undBarbedienne gehören; 3. die von vergoldeten Bronzen zum Gebrauch und zurZimmerverzierung, Stutzuhren u. s. w. Die Bronze ist in allen diesen Fällen gegossen.

Wir haben es hier nur mit den beiden letzten Klaffen zu thun, welche auchmeist in denselben Ateliers gearbeitet werden.

Vittoz (Paris) hat sich für seine Bronzen der Modelle der besten französischen Künstler bedient, und da er für den mechanischen Theil durch viele öffentliche Arbei-ten die größte Gewandtheit erlangte, so bieten seine Produkte natürlich einen hohenGrad der Vollkommenheit dar.

Hr. Vittoz hat Gegenstände aller Art ausgestellt. Die Jury hat aber nament-lich eine Kindcrgruppe mit Reben umwunden, nach Feuchere — halbe Lebensgrößeund theilweise vergoldet — ferner einen Kandelaber mit Eichenlaubranken im StylLouis XIV. preiswürdig gefunden.

Auch die Figur eines Knaben in Lebensgröße mit Blumen und Früchten machtdurch ihre gefällige Mischung der Bronze mit der Vergoldung eine gute Wirkung.

Von den vielen, oft schönen Lampenformen hat Vittoz gleichfalls einige derbesten geliefert/ Dazu gehört besonders eine Lampe von vergoldeter und versilberterBronze. Ein reiches Gestell mit Genien auf Drachen, welches mit einer xstcraendigt, auf welcher musizirende Genien sitzen, trägt ein tcmpelartiges Gefäß für eineCarcellampe. Dieses im Renaissance-Stnl gearbeitete Stück zeichnet sich vor denmeisten der Art aus.

Zuletzt erwähnen wir der Uhr des Michael Angelo , deren Sculpturen sich durcheine angemessene Breite hervorthun.

Alle Vergoldungen dieses Hauses find auf galvanischem Wege erzeugt.

A. V. Paillard (Paris ). Unter den sehr verdienstvollen Kunstbronzen diesesHauses ist der Jury ein Knabe in Lebensgröße, welcher mit Weintrauben bekränzteinen vergoldeten Kandelaber hält, durch seine Schönheit ausgefallen. Der Knabesteht auf einer dreiseitigen Basis im Styl Louis XIV.

Ferner sind zwei Porzellanvasen im Styl Louis XV. ausgestellt, welche sichdurch ihre reiche Ausschmückung in vergoldeter Bronze hervorthun. An den Henkelnklettern Kinder, mit Sammeln der Trauben beschäftigt, herum; ein anderes Kind,auf einer Ziege sitzend, verziert den Deckel des Gefäßes.

Dies ist eigentlich die Provinz des Styls Louis XV . Das Material und dieVerwendung desselben sind diesen ungeregelten Formen günstig und für Ornamente