Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
257
JPEG-Download
 

§. 74. Juwel,'erarbeiten in falschen Steinen, Perlen. 257

Die künstlichen Perlen werden auf verschiedene Art fabrizirt,je nachdem sie eine solide oder eine hohle Masse bilden.

Von beiden Sorten fanden sich Proben in der Ausstellung vor. Die vollkom-mensten hohlen Perlen waren von Constant Valös und Truchy ausgestellt, wel-chen jedem dafür die Preismedaille zu Theil wurde.

Solide Perlen von vorzüglicher Güte hatten Savary und Mosbach geliefert,die sich auch in der Fabrikation unechter Edelsteine auszeichneten.

Um hohle unechte Perlen herzustellen, bedient man sich ganz dünner Glasku-geln, denen man durch Zusatz von einer geringen Quantität Potasche und Bleioxydein schimmerndes bläuliches Ansehen gegeben, und deren innere Seite man mit denSchuppen eines kleinen Flußfisches (0v>>rin»8 alburnus) belegt. Die letzteren wer-den vorher, um sie weich, biegsam und klebrig zu machen, einige Zeit in Salmiak-geist mit etwas Hausenblase gelegt. Die Komposition der Perlen von Savary undMosbach gleicht mehr der römischen; sie sind völlig solid.

Wir haben in der Englischen Abtheilung nur einen einzigen Aussteller, Henrysund Comp. (London ), welcher sich durch Vortrefflichkeit der nachgeahmten Steineauszeichnet, und es scheint uns, daß auch dies Französische Produkte sind, weshalbwir hier in keine weitere Beschreibung eingehen.

In Frankreich hat man unstreitig die Nachahmung der Steine und Perlenam weitesten gebracht, denn wenn man auch mit falschen Perlen in Rom einen sehrgroßen Handel treibt, so wird doch dort eine Verwechslung weder erreicht, noch beab-sichtigt, wie eS mit den Französischen Fabrikaten selbst Kennern begegnen kann.

Bouil leite, Hyvelin und Comp. (Paris ) haben die Preismedaille fürihre treffliche Nachahmung von Edelsteinen erhalten. Viele Schmucksachen enthiel-ten solche Steine sehr geschmackvoll gefaßt: so besonders ein Brustschmnck von Dia-manten, Perlen und Smaragden, ein Kopfschmuck (Tiara) von Diamanten und sehrgut gezeichnete» Blumen mit großer Lilie in der Mitte.

Wenn man solche Nachahmungen sieht n»d von der Größe und Ausdehnung desHandels mit dem Auslande hört, so drängen sich wohl mit Recht Zweifel an deminnern Gehalt so manchen in glänzenden Salons strahlenden Schmuckes auf!

Durch eine Folge von Steinen und GtaSstückcn vor dem Schnitt und Schliffhaben die Herren Bouil leite und Hyvelin den Prozeß der Fabrikation weiterverdeutlicht.

Savary und Mosbach (Paris ) stellten die beste Nachahmung von Diaman-ten aus. Obgleich ihre Sapphirs, Smaragden und Rubinen dem Originale nichtgleichkommen, sondern sich immer noch durch ihr Ansehen beim genauen Vergleichunterscheiden, so sind sie doch hinlänglich vollkommen, um für echt gehalten zu wer-den. Die Fassung dieses Hauses ist auch ausgezeichnet, was dem Schmuck ein umso echteres Ansehen giebt.

Mosbach macht auch gute Perlen, auf andre Art als Valös; die seinigensind voll.

Constantin Valös (Paris ) erhielt für seine unglaublich treue Nachahmungder Perlen die Preismedaille.

Derselbe hat eine sehr interessante Ausstellung geboten: zuerst die verschiedenenRohmaterialien, welche zikr Bereitung der falschen Perlen dienen, dann alle Gat-tungen Perlen und Durchschnitte, hierauf eine Folge monströser Körper, wie sie fürdie Fassung benutzt werden; zuletzt den Vergleich mit den echten Perlen.

E. Truchy (Paris ). Unter einer großen Auswahl gut nachgeahmter Perle»zeichnen sich besonders die sogenannten schwarzen Perlen aus. Der Künstler ist da-für der Preiömedaille würdig gehalten worden.

Diejenigen Perlen, welche hier nicht für die Schnur gearbeitet sind, erscheinenausgezeichnet klar und von schöner Farbe; auch überragen sie alle andern an Glanz-1U. 17