322 XXIV. Klasse. Glaöwaareii.
wurden zu solch«!, namentlich von der Stobwasscrschcn Fabrik zn Berlin , Schirmeaus Milchglas verwendet. Da durch große Konkurrenz die Preise des vrdinairen Glasessehr hcrabgedrückt worden, so ergriff die Fabrik diesen neuen Zweig der Milchglas-fabrikation und es gelang ihr auch, ein Milchglas zu erzeugen, welches rein weißund nudiirchsichtig ist, so daß das Glas beim Brennen der Lampe sich als eine ganzgleichförmig erleuchtete Kugel zeigt, ohne die Flamme durchblicken zu lassen. Invem zweiten Ofen Versuchte man farbiges Tafelglas darzustellen. Durch die Beharr-lichkeit und unerschütterliche Vorliebe des Herrn Grafen von So lins zur Glaöfabrika-tion, sowie durch die unermüdliche Thätigkeit und den Eifer des Faktors des Hüttenwerks, Herr» Schulz, gelang es, die meiste» Farben des Tafelglases, wie dieeingesandten Tafeln, sowie die i» dem Nahmen eingefaßten Muster beweisen, in großer Vollkommenheit zu erzeugen und namentlich auch, wie eben erwähnt, ei» Milch-glas darzustellen, welches bis jetzt von andern Fabriken wegen seiner billigen Dar-stellnngSweise und seiner sorgfältigen und tadellosen Verarbeitung nicht nur nichtübertroffen, soudcrn nicht einmal dürfte erreicht worden sein. Besonders haben dieEnglischen Glasfabrikantcn ihre Bewunderung ausgesprochen über die gleichförmigeVerarbeitung des Milchglases zu den großen, circa 20 Zoll i», Durchmesser haltende»Lampcnschirmcn, die auch in kleinerem Maße bis jetzt in England noch nicht ausreinem Milchglase gefertigt werden konnte». Beil» tranSmittirtcn Lichte behält daSMilchglas seine weiße Farbe »nd scheint nicht röthlich durch, wie dies bei dem meistenanderen Milchglase der Fast ist, welches rothe Licht dann, durch die große Mengedamit verbundener Wärmcstrahlen, die Augen viel stärker angreift.
Wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften erhielt das Barnther Milchglas eine»so großen Rnf, daß im Jahre 1844 ein besonderer Ofen mit 0 Häfen znr Milch-glasfabrikation gebaut werden innßte, aus welchen täglich >00 bis 120 Dtzd- oderjährlich 300,000 bis 350,000 Stück Glasschirme gearbeitet werden. Das Quantumreicht aber kaum hin, »in die eingehenden Aufträge zu decken, wobei zu bemerken ist,daß die Fabrik weder reisen läßt, noch ihre Fabrikate anbietet. Um unn auch die zuden Schirmen nöthigen Lainpcncplindcr, sowie andere weiße Hohlglaswaaren liefernz» können, wurde iiu Jahre 1844 eine dritte Fabrik zu Barnth eingerichtet n»debenso die Glasfabrik Friedrichöthal bei Senftenberg mit 2 Oefen z» Tafel - »ndHohlglaS angekauft.
Die Fabrik hat fortwährend 5 Oefen im Gange und zwar 3 in Barnth und2 in Friedrichsthal . Die Oefen enthalte» >2 Tafelglashäfen »nd 23 Häfen zu Hohlglas. In den Taselhütten wird a»S 10 Häfen gewöhnliches weiße« einfaches unddoppeltes Tafelglas, in 2 Häfen FarbenglaS, kannellirteS Glas ,e. gefertigt, in denHohlglashütten anS 0 Häfen Milchglas, ans l Hafen halbwcifics MedizinglaS, anS13 Häfen gewöhnliches weißes HohlglaS und Lampencplindcr, a»S 2 Häfen Büttelglas und aus 1 Hafen halbweißeS HohlglaS. Der Inhalt eines Hasen« beträgt inden verschiedenen Oefen 2!, bis 3!, Ctr., den verschiedenen Glasmassen und derSchmelze angemessen. Die Schuielzzeit dauert, wenn das Gemenge mit Brocke» ver-setzt ist, >2 bis l-i Stunden, das reine Gemenge ohne Brocken 2-1 Stunden, die Arbeitszeit beim Tafelglase 10, beim Hohlglase 12 bis 15 Stunden. Die Häfen wer-den säniiutlich fünfmal in der Woche ausgearbeitet, die weißen HohlglaShäfen auchsechsmal. Als Fenernngsinaterial wird nur Holz verwendet, welches i» Barnth ausden eigenen Waldungen entnommen, in Friedrichsthal theils aus den KöniglichenForsten, theils Von den Bauer» der »uigegcnd gekauft wird. Der Gesammtverbranckeines Ofens mit Nebensenernngen beträgt an Holz jährlich >500 Klafter. Die KlafterKien - oder Elfen-Scheitholz kostet 3 bis 4'^ Rthlr., die Klafter Knüppel ll, Nthlr-bis 2z Nthlr., die Klafter Stockholz 1f, Rthlr. und werden ^ Scheitholz und Knüp-pel- und Stockholz verbraucht. Der Thon zu den Häfen wird aus Meißen bezogen,theilweise wird auch Kölnischer Thon verwendet. Den Sand gräbt mau in Frie-