Band 
Dritter und letzter Theil.
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350
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350 XXIV. Klasse. Glaswaaren.

Die meisten Versuche, aus verschiedenen Materialien, wie auch nach verschiedene»Mischungsverhältnissen Gläser darzustellen, sind in neuerer Zeit wohl in Frankreich gemacht worden. Schwer schmelzbare Kreidegläser werde» durch Zusatz von Borarsäure in bedeckten Häfen bei Steinkohlenfeuerung geschmolzen und auf diese Weiseauch Gläser mit andere» Basen als Kalk, namentlich Baryt, Magnesia und Zink-oryd dargestellt, worüber in dem erweiterten Berichte, den ich herauszugeben beabsich-tige, Ausführlicheres mitgetheilt werden wird. Zu Formen (moulits) bedient mau sichin Deutschland meist hölzerner Model, welche jetzt auch in Frankreich eingeführt sind,in England jedoch immer nur noch der metallenen, namentlich gußeisernen.

Die Darstellungsweise der sogenannte» Venetianischen Gläser, welche schon inältester Zeit in Aegypten, Phönizicn, im Mittelalter aber zu Venedig fabrizirt wurde»,hat man in neuester Zeit wieder in Deutschland erfunden. Dr. Fuß stellte das Mil-lesioriglas wieder dar; Pohl, Direktor der Gräflich Schaffgottschschen Hüttenzu SchreiberShau bei Warmbrunn in Schlesien, das Netzglas, ') sowie von mehre-ren Böhmischen Hütten das Petinet- und Fadenglas wieder seit längerer Zeit ge-macht worden ist. Das sogenannte EiSglas (krosteck glass) ist auf den Deutschen Hütten immer als Kuriosum dargestellt worden.

Was nun die Schönheit, den Glanz und den Klang der farblosen Feingläserund zwar der Bleigläser betrifft, so steht England in der Fabrikation derselben obenan;diesem folgt Frankreich und dann Belgien . Bezüglich der farbigen Gläser stehtDeutschland, namentlich Böhmen, Schlesien und Bayern noch immer unerreicht da,hat aber sehr auf der Huth zu sein, damit ihm Frankreich nicht den Rang ablause,welches durch geschmackvolle Formen und wohlfeile Dekorationen das Mangelnde zuersetzen und auszugleichen sucht.

Die Fabrikation von Perlen, GlaLpaste», künstlichen Edelsteinen ist in andernKlaffen abgehandelt worden, im ausführlicheren Berichte wird aber auch von diesenGegenstände» noch die Rede sein.

Von den Ausstellern dieser Abtheilung, namentlich

l. aus dem Britischen Reiche, verdienen zuvörderst F. und C. Osler zuBirmingham genannt zu werden, welche, außer mehreren anderen vortrefflichen Fein-glaSarbeiten, namentlich zwei Kandelabern von großer Schönheit, den berühmtenSpringbrunnen von 27 Fuß Höhe als große Zierde des AusstellungSgebäudeS undglänzenden Beweis des hohen Standes der Englischen Glasindustrie lieferten. Jedeseinzelne Stück dieses Springbrunnens wiegt höchstens 30 Pfd. und doch scheint dasGanze aus einem Gusse zu bestehen.

Roß, O'Connor und Carson zu Belfast in Irland hatten Uhrgläser inverschiedenen Stadien ihrer Fabrikation ausgestellt, welche die Vortrefflichkeit der Ar-beit darthaten.

John Pinkerton zu London , sowie Wood und Perkes zu Worsbro Dalebei Barnsley , hatten mehrere Arbeiten aus Feinglas ausgestellt, welche, was die ersterenbetrifft, theilweis versilbert und bemalt war; unter der Ausstellung der letzteren zeich-nete sich das Rubinglas aus, welches mit Bleiglas viel schwieriger herzustellen istals mit Kreidegläsern.

John Ohlson zu London zeigte an drei ausgestellten Schüsseln die verschie-denen Arten des Schliffs in großer Vollkommenheit. JoneS und Söhne zu Lon-don , Glashändler, hatten sehr verschiedene Glasgegenstände von vielem Geschmackausgestellt. Die von George Gatchel's zu Waterford in Irland eingesendeten Tisch-gläser zeigten eine gute Fabrikation, deren Formen jedoch nicht immer ansprachen.

Molineaur, Webb und Comp. zu Manchester hatten eine schöne Auswahlfarblosen und farbigen Krystallglases ausgestellt, welches sich durch gute Schmelzung,Reinheit der Farbe, Glanz und guten Schliff auszeichnete. Auch die gepreßten Glä-ser zeigten eine große Reinheit und Farblosigkeit.