Z72 XXV". Klaffe. Gebrannte Waaren.
verbesserten Thonwaaren-Fabrikatio» Englands betrachtet werde» muß. Die Ausstel-lung, welche diese Fabrik veranstaltet hat, ist ein wabreS Museum der interessantestenErzeugnisse der Thonwaaren-Fabrikatio» zu nennen.
Eine hervorragende Stelle in künstlerischer Bearbeitung gebührt dem sogenann-ten Carrara-Biscuit , welches in der Einleitung als ein Zwischenglied zwischen Eng-lischem Porzellan-Biscuit (Parian) und Steinzeug bezeichnet worden ist. Die Carraramaffe theilt mit dem Parian das weiche und etwas schwach schimmernde Aussehen der Oberfläche, wodurch dieselbe dem Auge sich sehr angenehm darstellt, dagegenist das Carrara weniger durchscheinend als das Parian. Die ausgestellten Carrara Statuetten, zum Theil von ziemlich großen Dimensionen, sind meistens nach berühmten älteren Flarman'schen Modellen in bemerkenswerther Vollendung ausgeführtworden.
Die zweite, in ihrer Anwendung bei weitem wichtigere Thonwaarenklaffe umfaßtdie eigenthümliche Wedgwood-Waare, ein unglasirtes, feines Steinzelig von der rein-sten weißen oder von künstlich gefärbter, schwarzer oder brauner Grundmaffe. Vonaußerordentlicher Schönheit sind die oberflächlich matt kobaltblau gefärbten und miterhabenen weißen Arabesken und Figuren verzierten Vasen in den verschiedensten undedelsten Formen. Die Zeichnungen der erhabenen Figuren sind von der außerordentlichsten Feinheit; sie werden entweder aus freier Hand gefertigt, oder in Formen ge-bildet und demnächst auf die Gefäße angebracht. Eine schöne Anwendung findetdiese Art von unglasirtem feinen Steiuzeng zur Darstellung von Cameen nachAntiken mit weißen Basreliefs auf kobaltblauem oder auch matt blaßgrünem Grunde.Die schwarzgefärbte Masse (das s. g. Aegyptische Schwarz) wird ebenfalls zu Vasenmit erhabenen Figuren und Arabeske» verarbeitet, in gleicher Weise auch die brauneMasse; letztere wird meistens mit aufgelegten zierlichen Basreliefs von schwarzerFarbe verziert. Durch ähnliche Verbindungen der braunen und schwarzen Farbewerden Nachahmungen der bekannten Etrurischen Gefäße gebildet.
Die vortrefflichen Eigenschaften der glasirten Wedgwood'schen feinen Fayenceund des feinen Steinzeugs (dadurch von einander verschieden, daß das erste erdigenBruch besitzt, das zweite dagegen eine anfangende Frittung zeigt und daher nicht ander Zunge hängt) sind allgemein bekannt; anch in diesem Zweige hatten die Aus-steller eine Reihe ihrer Produkte gebracht, zum Theil von reinem Weiß, oder miteinem nicht unangenehmen, kaum merklichen Stiche in das Gelbe, sogenannte llrcamcoloureä Hueen's roai-e (Milchfarbige Königin-Waare) für den Continental-Europäi-schen Markt von sehr dünner Ausarbeitung; ferner bedruckte oder durch Farben undMalerei dekorirte Waare. Die Engros -Preise sind wie folgt angegeben worden: dasDutzend Teller kostet einfach weiß 1 Sch. 7 Pce. (56 Kreuz, oder 16 Sgr.), vonbedruckter Waare 3 Sch. (1 Fl. 45 Kr. oder 1 Rthlr.), mit einfachen Farbenverzie-rungen 6 Sch. (3 Fl. 30 Kr. oder 2 Rthlr.), mit vergoldeten Rändern 12 Scb.(7 Fl. oder 4 Rthlr.), mit Goldpurpurroth 30 Sch. (18 Fl. oder 10 Rthlr).
Als sehr allgemein in England verbreitete Artikel in Fayence werden hier er-wähnt, außer den gewöhnlichen Toilettegegenständen, Waschbecken, oben mit einerWasser zuführenden Röhre verbunden und am Boden mit einer durch ein Thonventilschließbaren Oessnung versehen, aus eine hohle Säule mit Krahnen gestellt, in dem,die Reinlichkeit mit Bequemlichkeit liebenden, England ein sehr häufig angewendetesMöbelstück; außerdem fanden sich in bescheidener Verborgenheit unter den Schau-tische» die sehr zu empfehlenden, geruchslosen AbtriltS-Vorrichtungen.
Von häufiger Anwendung sind außerdem große flache Schüsseln für die Bereitung des Chesterkäses, sehr beliebt wegen des seltenen Vorkommens von Glasursprün-gen und Abblätterungen, wodurch das Eindringen der Milch und damit ein Uebel-riechendwerden solcher Gesäße verhindert wird. Es ist auch hier, wie bereits obenhei Minton geschehen, hervorzuheben, mit welcher Sorgfalt die Auffindung neuer