§. 112. Papiermache und lackirte Waaren. 433
schöne Tapeten, die den Französischen in Zeichnung und Farbenstellung zwar nichtvollkommen gleich kamen, jedoch auch nur wenig zurückstanden.
Auch aus Indien war durch E. W. Read eine Tapete mit Zeichnungen indortigem Geschmack eingesandt, deren Farbenkompofitione» einen besonders schönenEffekt machten; der Einsender erhielt die Preismedaille.
Abschnitt IV.
Papiermache- und lackirte Waaren.
§. 112 .
Die Artikel aus Papiermache und Steinpappe, sowohl lackirt als vergoldet,oder auf andere Weise überzogen und mit Perlmutter und ähnlichen Substanzen ausgelegt, waren auf der Ausstellung besonders zahlreich vertreten von England unddemnächst von Frankreich und dem Zollverein. Der Umfang von Waaren und Ge-genständen, welche aus diesen Stoffen angefertigt werden, ist außerordentlich groß underweitert sich noch täglich. Die Ausstellung zeigte davon Schnupftabakdosen, sowieWand- und Deckentäfelung von Zimmern, Möbel und Statuette», Kästchen undKronleuchter, Rahmen und Theebretter und unzählige andere Gattungen und Arten.ES hat dieses Material einen ähnlichen Entwicklungsgang genommen, wie wir ihnneuerdings bei der Gutta Percha verfolgen können.
Der Hauptsttz dieser Industrie in Großbritannien ist i» Birmingham unddemnächst in Wolverhampton .
Die glänzenden Möbel, Kästchen und ähnliche Papiermachewaaren von Zen-iienS und Bettridge in London und Birmingham bildeten unstreitig den äußer-lich hervorragendsten Theil der Britischen Ausstellung in dieser Waarengatlung.Ueberhaupt haben diese Fabrikanten ein hohes Verdienst um die Ausbildung diesesIndustriezweiges in England. Die Gegenstände waren fast ohne Ausnahme aus ge-preßtem Papier und nicht aus Papiermasse hergestellt und zeigten durchweg nebenhöchstem Lurus in den Formen, Einlagen und Verzierungen eine ganz vollendeteAusführung, Lackirung und Politur. Vor allem zeichnete sich aus ein prächtigesKlavier, nebst Sessel, aufs Reichste mit Perlmuttereinlagen und sonstigen Verziern»gen geschmückt, in Italienischem Styl. Auf die Perlmutter wird nach dem Verfahrenvon Jennens und Bettridge zuerst mit Schellackfirniß das Dessin aufgetragen,welches die Einlage haben soll; alsdann behandelt man sie mit starken Säuren, welchedie nicht überpinselten Theile wegfrißt; die so hergestellte Perlmutterfigur wird nunan der geeigneten Stelle aufgelegt und das Ganze mehrmals mit Firniß überzogen,der zuletzt von der Oberfläche der Einlage wieder abgenommen wird. Nächst demKlpvier ist ein großer Armsessel rühmlichst zu erwähnen, die Form zwar etwas ba-rock, jedoch die Ausschmückung eben so kostbar als die Ausführung vollendet.
Von sonstigen Gegenständen heben wir die Spieltische, Damensekretaire, Teiletmöbel, die Stühle u. s. w. hervor, sowie insbesondere auch ein reizend gearbeitetesTintenfaß. Die Vergoldung war im Allgemeinen etwas zu verschwenderisch angebracht. Die Lebhaftigkeit der Farben ist rühmend anzuerkennen. Im Allgemeinenist das Hauptverdienst der Aussteller, neben der vorzügliche» Methode die Perlniut-terverzierungen zu formen und aufzulegen, in der glücklich durchgeführten Anwendungdes Papiermache auf alle denkbaren Arten von Möbel anzuerkennen, und zwar voneiner Ausführung, welche sehr wohl den praktischen Gebrauch auf längere Dauergestatten dürfte.
III.
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