Band 
Dritter und letzter Theil.
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484
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484 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

Abschnitt >

Chemische Fabrikate.

§. 129.

Kerzen im Allgemeinen.

Ehe wir die verschiedene» Ausstellungen von Kerzen i»i Einzelnen betrachten,sei es erlaubt, eine» flüchtigen Blick auf die Materialien zu werfen, welche in ihrerFabrikation verwendet werden. Eü find dies die fetten Körper, die uns der Orga-nismus der Thiere und der Pflanzen liefert, insbesondere Talg, Wachs, Walrathund einige mehr oder minder flüssige Oele. Diese Substanzen, so verschiede» inihren physikalischen Eigenschaften und so verschiede» in ihrer chemischen Zusam-mensetzung, zeigen dennoch in ihrem Verhalten vielfache Analogiecn. Fast kei-ner dieser Körper ist eine reine chemische Verbindung, die meisten stellen mecha-nische Gemenge in wechselnden Verhältnissen verschiedener chemischer Verbindungendar, welche sich theils auf mechanischem, theils auf chemischem Wege von einanderscheiden lassen. Hat man diese Trennung bewerkstelligt, so findet man, daß die ab-geschiedenen Substanzen, die näheren Bestandtheile der fetten und Wachs-ei rti gen Körper, obwohl »och immer sehr verschieden von einander, doch wiederdas Gemeinsame haben, daß sie unter dem Einflüsse starker chemischer Agentien ausähnliche Weise sich verhalte», indem auf der einen Seite eine fette Säure abgeschie-den wird, während auf der andern Seite ein neutraler Körper auftritt.

Indem wir für einen Augenblick unsere Betrachtung auf den Talg und die ge-wöhnlicheren fetten Oele des Pflanzenreichs beschränken — für welche diese Erörte-rung des Folgenden wegen von besonderem Interesse ist — so läßt sich sagen, daßdieselben im Wesentlichen Mischungen in wechselnden Verhältnissen von drei denNeutralsalzcu oder besser vielleicht den zusammengesetzten Aetherarten ähnlichen Ver-bindungen darstellen, welche man Stearin, Margarin und Olein genannthat. In ihren physikalischen Eigenschaften weichen diese Substanzen wesentlich voneinander ab; das Stearin und das Margarin sind bei gewöhnlicher Temperatur fest,das Olvin bleibt selbst bei dem Gefrierpunkte des Wassers flüssig. Man begreift,daß je nach dem Vorherrschen von Stearin (oder Margarin, welches indeß wenigerverbreitet ist), oder von Ollii» der Aggregatzustand eines Fettes ein sehr verschiedenersein muß. Unterwirft man dagegen das Stearin oder Margarin und das OlLinder Einwirkung starker chemischer Agentien, so zeigen alle drei Körper ein parallelesVerhalten. Erhitzt man sie z. B. mit starker Alkalilauge znm Sieden, so zerlegensie sich; es treten auf der einen Seite drei fette Säuren auf: die Stearinsäure undMargariusäure, beide fest und krystallinisch wie daS Stearin und Margarin, ausdenen sie entstanden, und die Oleinsäure von gleicher Flüssigkeit wie das Olein,welchem sie ihre Bildung verdankt. Diese drei Säuren verbinden sich mit dem Alkali,welches die Zersetzung bewirkt hat. Auf der anderen Seite liefert die Zerlegungsowohl des Stearins als auch des Margarins und Oloins eine neutrale in Wasserlösliche Materie, welche man mit dem Name» Glycerin bezeichnet hat. Die Kennt-niß der Natur der fetten Körper und des Vorgangs bei ihrer Zersetzung unter demEinflüsse der Alkalien verdanken wir beinahe ausschließlich einer Reihe von chemi-schen Untersuchungen, welche der Französische Naturforscher Chevrenl zwischenden Zähren 1813 und 1823 über diesen Gegenstand angestellt und in seinem 1823Publizirten Werke: „keellerelles sur les corps Aras fl'c>r>A>ne animale" niedergelegt