tz. 129. Kerzen im Allgemeinen, tz. 130. Talgkerzen. 485
hat, eine Arbeit, welche für alle Zeiten ein Muster ächt naturwissenschaftlicher Forschungbleiben wird.
Die Entdeckungen Chevreul'S lieferten den Schlüssel zum Verständniß einerIndustrie, welche, obwohl seit undenklicher Zeit betrieben, ihrem Wesen nach dennochvöllig dunkel geblieben war. Erst Chevrenl lehrte uns die wahre Natur desBerseisungSprozesseS und die wahre Zusammensetzung der Seife kennen. Aber weitentfernt, bei der Erklärung eines bereits bekannten technischen Prozesses stehen zubleiben, hat er in seinen Forschungen die Grundlage zu einer völlig neuen Kerzen-Zndustrie geschaffen, welche, sich in mehrere Zweige spaltend, sowohl was Ausdeh-nung als Nützlichkeit anlangt, schon jetzt als eine der wichtigsten und schönsten An-wendungen der Chemie zur Förderung des häuslichen Comforts dasteht und der nurdie fast gleichzeitige Entwickelung der Gasbeleuchtung an die Seite gesetzt zu werdenverdient. Dir Idee, Stearinsäurekerzen zu fabrjziren und die glückliche Verwirkli-chung dieser Idee ist nämlich eine unmittelbare Folge von Chevreul's Untersu-chungen, und es ist doppelt interessant, daß wir die in mehr als einer Beziehungsegensreiche Ausbildung dieses GewerbszweigeS lediglich einer Reihe von Versuchenverdanke», welche, im rein wissenschaftlichen Sinne unternommen, auf nichts wenigerals auf die Begründung einer neue» Fabrikation berechnet waren. Allein dies istdas Wesen aller wahrhaft wissenschaftlichen Bestrebungen, denen unsere nur zu sehrden unmittelbaren Erfolg mit inö Auge fassende Zeit so wenig hold ist, daß einerjeden ein Keim inne wohnt, der früher oder später, in lebenskräftiger Entwickelung sichentfaltend, eine nie bezweckte und kaum geahnete Bedeutung für die materiellen In-teressen des Lebens gewinnt.
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T a l g k e r z e n.
Die gewöhnliche Talgkerze leidet an verschiedenen Mangeln, die kaum einernäheren Bezeichnung bedürfen. Die Talgkerze hat stets einen mehr oder wenigerunangenehmen Geruch, der gewöhnlich beim Verbrennen noch viel bestimmter her-vortritt; sie gestattet keinen Docht, der sich selbst verzehrt; die sich bildende Schnuppemuß mit der Lichtputze entfernt werden und giebt, wenn sie frei abfällt, leicht Veranlas-sung zu Feuersgefahr. Wegen der Leichtflüssigkeit des Talges schmelzt der brennendeDocht mehr Fett als er verbraucht, welches beim geringsten Luftzuge von der Kerzeherabfließt, so daß sie beim Umhergehen kaum zu gebrauchen ist. In Folge derselbenLeichtflüssigkeit kann man keine Talgkerze anfassen, ohne sich zu defekten; ebenso ver-anlaßt jeder herabstießende Talgtropfen einen unerquicklichen Fettsteck.
Der üble Geruch der Talgkerzen rührt vorzugsweise von einer unvollkommenenReinigung des Talges her. Sind dem Talgc noch Theile des Zellgewebes beige-mischt, aus welchen er gewonnen worden, so beginnen diese zu faulen und tragendiese Umsetzung wie wahre Fermente auf die Fettkörper selbst über, welche unter Ent-wickelung eines höchst offensiven Geruchs ranzig werden. Der erste Schritt zur Ver-besserung der Talgkerzen war demnach in der Erkenntniß dieser Thatsache gemacht;in Folge dessen wendete man dem Ausschmelzen des Talges eine größere Sorgfalt zu undnahm die Hülfe der Chemie bei diesem Prozesse in Anspruch. Fast allgemein wird jetztdas d'Arcetsche Verfahren befolgt, den rohen Talg zur Zerstörung des Zellgewe-bes mit sehr verdünnter Schwefelsäure zu behandeln, ihni gelang es, den üblenGeruch der Talgkerze, wenn auch nicht völlig aufzuheben, doch wesentlich zu ver-mindern. Die vollkommene Reinigung des Talges hat gleichzeitig noch eine andereVerbesserung der Talgkerze im Gefolge gehabt. Je reiner der Talg, desto besser dieFlamme, namentlich was die Gleichförmigkeit der Lichtentwtckelung anlangt, indeni